Koalitionskrach in Griechenland: Letztes Aufgebot in Athen

Kommentar21. Juni 2013, 17:54
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Antonis Samaras wird nun weiterwursteln bis ihn Neuwahlen einholen

Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras hat ohne wirkliche Not und unüberlegt nach einem Jahr im Amt seine Drei-Parteien-Koalition an die Wand gefahren. Kritiker des Premiers, die seine staatsmännischen Qualitäten schon immer anzweifelten, wird das in ihrem Urteil bestätigen. Samaras gilt als eigenbrötlerischer Querkopf. Dennoch ist kein anderer in Sicht, der Griechenland aus dem Tal der Krise führt.

Die politisch weit links Stehenden ausgenommen, zweifelt niemand in Athen die Notwendigkeit der Reform des Staatssenders ERT an. Auch Samaras und seine konservative Partei haben sich des Staatsfernsehens bedient - vor und selbst nach der Bildung der Krisenregierung 2012 -, um Vertraute zu platzieren und Günstlinge zu versorgen. Die Aufgeblähtheit des ERT ist deshalb allen wohlbekannt. Ein schrittweiser Umbau, frühzeitig eingeleitet, wäre möglich gewesen; eine Schließung über Nacht, unabgesprochen und ohne Vorwarnung, musste die linken Koalitionsparteien desavouieren.

Antonis Samaras wird nun mit einem letzten Aufgebot weiterwursteln, gemeinsam mit der moribunden Pasok, bis ihn Neuwahlen einholen. Noch hält die Furcht davor das Regierungslager zusammen: Samaras kann auch nach dem Austritt seines dritten Partners mit ausreichend Stimmen im Parlament rechnen. Ohne Aufschwung im nächsten, dem siebenten Krisenjahr ist er verloren. (Markus Bernath, DER STANDARD, 22.6.2013)

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