Streit um burgenländische Kindertherme

21. Juni 2013, 19:29
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Die Kinder- und Babytherme im burgenländischen Lutzmannsburg trägt gerade einen Konflikt des verwobenen öffentlich-privaten Wirtschaftens aus

Lutzmannsburg - Die mittelburgenländische Sonnentherme ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Im Moment ist man freilich allseits dabei, die Erfolgsgeschichte - die auch eine in Brüssel wahrgenommene Erfolgsgeschichte europäischen Förderns ist - eifrigst downzureden.

Vorwurf des "schlecchten Tourismusmanagements"

Peter Rezar, Soziallandesrat und SP-Bezirkschef von Oberpullendorf, warf seinem eigenen Förderarm, der landeseigenen Wirtschaftsservice Burgenland AG (Wibag), "schlechtes Tourismusmanagement" vor. Im Grunde meint er aber einen Klassiker der Public-Private-Partnership. Es geht darum, wer was zahlt und wovon wie viel profitieren darf.

Mit viel Geld wurde in der ökonomischen Wüstenei des Grenzlandes einst eine Ziel-1-geförderte Therme hingestellt, die sich auf das Nassvergnügen für Kinder spezialisiert hat. Die Therme steht im Eigentum der Wibag, ein angrenzendes Hotel auch, zu dem nun ein zweites erworben wurde, sodass die anderen Hoteliers Feurio schreien.

Silent Dome

Im Vorjahr hat man die Therme noch umgebaut. Wibag-Vorstand Franz Kast nennt das "Schärfung der Marktpositionierung, wir sind eben Österreichs größte Therme für Klein- und Kleinstkinder, und wir sind der Leitbetrieb, dem die anderen angebotsmäßig folgen müssen". Die Hoteliers sehen einen Anschlag auf ihre Lebensfähigkeit. Denn der sogenannte Silent Dome - der Thermenbereich für jene, die das helle Kinderlachen eher als Kreischen hören - wurde als Hoteltherme fürs Wibag-eigene Haus reserviert.

Peter Rezar kritisiert, dass die Wibag als fördernehmender Fördergeber da mit zweierlei Maß messe, "auch die anderen Hotels sind ja mit öffentlichen Mitteln gefördert". Böten allerdings, sagt Kast, zuweilen Packages für Pensionisten an, weshalb man sich dann auch nicht zu wundern brauche. Und sie zahlen zur Thermenerhaltung nichts dazu. Die vorjährige Investition sei 23 Millionen Euro schwer gewesen. "Das haben wir mit Erträgen auch aus unserem Hotel finanziert."

Private orten subventionierte Konkurrenz

Das nun durch ein zweites erweitert wird. Kast ist überzeugt, "dass wir mehr Betten brauchen". Die Privaten sehen subventionierte Konkurrenz, die freilich ihrerseits konterkariert wird durch einen aufrechten Privatisierungsauftrag des Eigentümers Land. Nach dem einschlägigen Scheitern vor zwei Jahren "wäre der Eigentümer ja blöd, das Verkaufsgut downzugraden". Ein Wort, das Franz Kast gerne in des Landesrates Ohr legen möchte. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 22./23.6.2013)

  • Kinder - deren Lachen die einen als glockenhell, die anderen als bloß kreischend erleben - machen schon was her unterm Narrenhut. Andere Menschen oft nicht.
    foto: therme lutzmannsburg

    Kinder - deren Lachen die einen als glockenhell, die anderen als bloß kreischend erleben - machen schon was her unterm Narrenhut. Andere Menschen oft nicht.

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