Merkel und Putin eröffnen Beutekunst-Ausstellung nun doch gemeinsam

21. Juni 2013, 16:30
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Deutsche Kanzlerin wollte Rückgabe von Beutekunst fordern - Rede zu Ausstellungseröffnung war kurzzeitig abgesagt

Moskau/Berlin - Russlands Staatschef Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehen nach der Absage am Morgen nun doch gemeinsam am Abend zur Beutekunst-Ausstellung in St. Petersburg. Das teilte Putin am Freitagnachmittag mit.

Vor dem Besuch von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel in St. Petersburg war es zu einem Eklat gekommen. Die in der Eremitage geplante gemeinsame Eröffnung der Beutekunst-Ausstellung mit Merkel und Russlands Präsidenten Wladimir Putin wäre fast abgesagt worden. Merkel hätte in ihrem Grußwort die Rückgabe von Beutekunst gefordert, hieß es aus Delegationskreisen. Die deutschen Forderungen an Russland, von den Sowjetsoldaten verschleppte Kulturgüter zurückzugeben, belasten seit Jahren das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau.

Absage wegen Forderung

In St. Petersburg, wo Merkel zu Mittag landete, traf sich die Kanzlerin zuvor mit Putin beim internationalen Wirtschaftsforum. Russland wirbt bei seinem wichtigsten Wirtschaftstermin des Jahres traditionell um Investoren für seine noch aus Sowjetzeiten stammende rückständige Industrie.

Ausstellungseröffnung zum Abschluss des Deutschlandjahres

Im Anschluss daranist die gemeinsame Eröffnung der Ausstellung "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" geplant, an der deutsche und russische Experten nach einer Regierungsvereinbarung seit 2010 gearbeitet hatten. Der Termin ist als krönender Abschluss des Deutschlandjahres in Russland geplant.

In der Schau wird spektakuläre Beutekunst wie der Goldschatz von Eberswalde gezeigt, auch die Troja-Funde von Heinrich Schliemann sind ausgestellt. Sowjetsoldaten brachten die wertvollen Gegenstände mit Hunderttausenden anderen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau.

Russen: Entschädigung für Kriegsverluste

Deutschland hatte im Hinblick auf internationales Recht immer wieder auf eine Rückgabe der Kunst bestanden. Russland dagegen hat mit einem eigenen Gesetz die verlagerten Kulturgüter, wie sie im offiziellen Sprachgebrauch heißen, nachträglich als Entschädigung für Kriegsverluste legalisiert.

Unlängst betonte der russische Kulturminister Wladimir Medinski, dass die Schätze mit dem Blut sowjetischer Soldaten bezahlt worden seien. Russland sei nicht einmal bereit, auch nur über den Status der Güter zu reden. Die Regierung in Moskau beklagt zudem, dass Deutschland in dem Beutekunststreit russische Interessen zu wenig berücksichtige.

Russland vermutet vor allem in deutschen Privatsammlungen viele Kunstschätze, die von Nazis aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion verschleppt worden waren. Als verschollen gilt zum Beispiel das berühmte Bernsteinzimmer im Katharinenpalast von Zarskoje Selo bei St. Petersburg. (APA, 21.6.2013)

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    Beim Wirtschaftsforum konnten die Wogen offensichtlich doch wieder geglättet werden.

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