Steirischer Vorstoß

21. Juni 2013, 18:40
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Die Menge der auf dem Kunstmarkt kursierenden Werke von Wilhelm Thöny ist spärlich

Die letzte Dekade im Schaffen Wilhelm Thönys begann im März 1938, als sein aus Le Havre kommendes Schiff in New York anlegte. Geplant war ein längerer Aufenthalt, nicht jedoch der endgültige, der es ob des Kriegsausbruches in Europa und seinem späteren Tod im Mai 1949 dann wurde.

Im September 1939 reisten ihm zwölf Kisten mit Bildern, Skizzen und Studienmaterial aus Paris hinterher. Sein Kapital, das ihm die Integration in der New Yorker Kunstszene ebnen sollte. Im Jahr darauf veranstalten die Galerien St. Etienne und Neumann erste Einzelausstellungen, weiters beschickt er Schauen in Chicago, San Francisco oder Los Angeles.

1942 schließt er einen Vertrag mit der renommierten Galerie Knoedler. Stolz berichtet Thöny, dort "neben Gaugins, Renoirs und anderen Kanonen" präsentiert zu werden. Das erste Bild sei nach 30 Minuten an einen Amerikaner verkauft worden, kurz und gut, "dieser steirische Vorstoß in die am schwersten zu nehmende Bastionen der City" sei gelungen.

33 Ausstellungen in vier Jahren, neun an Museen verkaufte Werke und deren 31, die in Privatsammlungen wechselten, lautete die Bilanz 1946. Vermutlich aus gesundheitlichen Gründen hielt sich die Produktion neuer Bilder jedoch in Grenzen. Stattdessen bemühte sich Thöny um seine in Europa verbliebenen Schützlinge. Vergeblich: Sein Atelier in München war bei einem Bombenangriff zerstört und jenes in der Grazer Lenaugasse geplündert worden. Damit nicht genug, vernichtete ein Brand im März 1948 den in einem Lagerhaus in New York verwahrten Bestand.

Eine repräsentative Anzahl seiner Arbeiten überdauerte in Museen und in teilweise bis heute anonymen Privatsammlungen. Manche konnten trotz intensiver dreijähriger Recherchen im Vorfeld der derzeitigen Thöny-Retrospektive in Graz (siehe Artikel "Der träumende Mann mit dem Zylinder") und für das neue Werkverzeichnis nicht aufgespürt werden.

Warten auf neuen Rekord

Die Menge der auf den Kunstmarkt kursierenden Werke ist über Jahre dürftig geblieben und verhinderte damit eine entsprechende Entwicklung: laut Artprice wechselten seit 1999 jährlich zwischen fünf und maximal 21 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen oder Grafiken über Auktionen den Besitzer. Knapp 62 Prozent (ggb. 67 in 2010) des weltweiten Auktionsumsatzes entfielen dabei auf Österreich, gefolgt von rund 36 Prozent (ggb. 29) in Deutschland.

Den vorläufigen Höchstwert (siehe Tabelle) notierte Nagel (Stuttgart) für Spaziergänger im Park (netto 125.000 / inkl. Aufgeld 166.000 Euro) im Jahr 2010. Ein Wert, der irgendwann mit dem Auftauchen eines bislang unbekannten Gemäldes und im Nachspann der aktuellen Personale übertroffen werden wird. Vielleicht schon kommende Woche (26. 6.), wenn bei Nagel ein gleichnamiges Parkmotiv auf Papier und Leinwand kaschiert von 1922/23 (Taxe 50.000) um die Gunst des Publikums buhlt. (kron, Album, DER STANDARD, 22./23.6.2013)

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