Parlamentsausschuss für "Heilung" von Lesben und Schwulen

21. Juni 2013, 12:46
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Menschenrechtsausschuss stimmt für rückschrittliche Maßnahme - Der Vorsitzende ist wegen homophober Äußerungen berüchtigt

Brasilia - Der Menschenrechtsausschuss des brasilianischen Parlaments hat einem Gesetzentwurf zugestimmt, der Maßnahmen zur "Heilung" von Lesben und Schwulen vorsieht. Der Ausschuss unter dem Vorsitz des umstrittenen evangelikalen Pastors Marco Feliciano setzte am Dienstag ein Regelwerk außer Kraft, wonach es PsychologInnen untersagt ist, KlientInnen "Behandlungen" gegen ihre sexuelle Identität anzubieten. Der Ausschussvorsitzende Feliciano ist wegen seiner homophoben und rassistischen Äußerungen berüchtigt.

"Es gibt keine Behandlung für etwas, das keine Krankheit ist", empörte sich der sozialistische Abgeordnete Simplicio Araujo. Als einziges Ausschussmitglied protestierte er gegen die Entscheidung. Die Ministerin für Menschenrechte, Maria do Rosario, sprach von einer "rückwärtsgewandten" und "absurden" Maßnahme. Was Brasilien benötige, seien Gesetze zur Kriminalisierung von Homophobie. Die brasilianische PsychologInnenvereinigung verwies darauf, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Einstufung von "Homosexualität als Geisteskrankheit" schon vor mehr als 20 Jahren gestrichen habe.

Hohe Anzahl an Hassverbrechen

Juristisch verfolgt werden Lesben und Schwule in Brasilien seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr, zusätzlich gibt es Antidiskriminierungsgesetze. In einigen Bundesstaaten sind auch gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gesetzlich anerkannte Lebensformen. Insgesamt gilt die gesetzliche Situation für Lesben und Schwule in Brasilien - im internationalen Vergleich - als fortschrittlich. Die gesellschaftliche Toleranz respektive Anerkennung von Lesben und Schwulen hinkt dem Gesetz jedoch hinterher - das zeigt sich unter anderem an der hohen Anzahl von Hassverbrechen gegen Lesben und Schwule. (APA, red, dieStandard.at, 21.6.2013)

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