Weniger Firmen insolvent, aber mehr Jobs betroffen

21. Juni 2013, 09:22
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Die Gesamtpassiva sind auf das besorgniserregende Niveau von 3,78 Milliarden Euro gestiegen, 17.000 Jobs sind gefährdet

Wien - Im ersten Halbjahr 2013 haben nach Hochrechnung des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) pro Woche 112 Firmen Insolvenz angemeldet. Von den insgesamt 8.190 Privat- und Unternehmensinsolvenzen entfielen 2.905 auf Firmen. "Mit Schrecken ist ein Anstieg bei gefährdeten Arbeitsplätzen und den Passiva zu registrieren", so der AKV.

Im ersten Halbjahr 2012 hatte es insgesamt 8.593 Insolvenzen gegeben, wovon 3.137 Fälle Betriebe betrafen - damals traf es 120 Firmen pro Woche.

Nicht Kleine, sondern Große wackeln

"Mit den beiden Insolvenzen Alpine Bau GmbH und MPS Personal Service GmbH ist eine Trendumkehr zu befürchten", alarmiert der Gläubigerschutzverband. "In den ersten fünf Monaten heuer gab es eine Entspannung, der Juni zeichnete dann ein ganz anderes Bild", so AKV-Experte Franz Blantz. Vermehrt würden im Vergleich zum Vorjahr mittlere und größere Betriebe in Schwierigkeit geraten.

Der Fachmann erklärte, dass die Bau-Branche heuer im ersten Halbjahr mit 537 Pleiten den Handel mit 532 Insolvenzen "wieder zurücküberholt". Die drittmeisten Insolvenzen sind in der Gastronomie (372) zu verzeichnen.

17.000 Jobs gefährdet

Durch die Alpine-Insolvenz - mit Verbindlichkeiten in Höhe von 2,56 Milliarden Euro die größte Insolvenz in der Geschichte der Zweiten Republik - explodierte der Stand der Gesamtpassiva im Jahresvergleich von 1,81 Milliarden Euro auf 3,78 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2013. Er liegt damit heuer zum Halbjahr über dem Stand im Gesamtjahr 2012 mit Passiva in Höhe von 3,25 Milliarden Euro. In den Alpine-Verbindlichkeiten sind aber Eventualverbindlichkeiten in Höhe von 850 Millionen Euro enthalten.

Durch die Insolvenzen im ersten Halbjahr sind bisher 16.658 Jobs gefährdet - fast so viele wie im Gesamtjahr 2012 mit 19.686 gefährdeten Jobs (1. Hj. 2012: 9.326). Auch hier hat die Alpine Bau den größten Anteil an gefährdeten Arbeitsplätzen zugeliefert - 6.483 an der Zahl, die nun aber noch einen Monat vor der Kündigung geschützt sind. Man könne davon ausgehen, dass der Bau erster bleibt - "aufgrund der zu befürchtenden Folgeninsolvenzen bei der Alpine Bau". Die zweitgrößte Zahl gefährdeter Jobs kommt von der Insolvenz der MPS Personal Service GmbH in der Steiermark mit 796 Dienstnehmern.

Bei diesen beiden Groß-Insolvenzen hoffe man noch darauf, "so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten zu können - während dieses Vorhaben bei der drittplatzierten Niedermeyer GmbH scheiterte und 787 Arbeitnehmer ihre Beschäftigung verloren haben".

Viele KMU am Boden

Niedermeyer hat nach der Alpine mit 43,3 Millionen Euro die zweithöchsten Verbindlichkeiten, gefolgt von der Griffner Haus AG aus Kärnten mit 35 Millionen Euro und der AC Aircraft Sales & Consulting GmbH (Niederösterreich) mit Verbindlichkeiten in Höhe von 34,8 Millionen Euro.

Die Extremwerte bei der Veränderung der Zahl der Insolvenzen in den Bundesländern lieferten Vorarlberg mit einem Minus von 44,07 Prozent von 118 auf 66 Insolvenzen im Halbjahresvergleich. In Kärnten dagegen stiegen die Insolvenzen im Vergleichszeitraum um 13,88 Prozent von 209 auf 238. Österreichweit gab es ein Minus von 8,91 Prozent - im ersten Halbjahr 2012 gab es 3.189 Insolvenzen, heuer im selben Zeitraum 2.905. Die Anzahl der Verfahren zeigt Rückgänge bei den eröffneten Insolvenzen um knapp 10 Prozent auf 1.646 und bei den Verfahrensabweisungen um 7,49 Prozent auf 1.259.

Rückgang bei Privatinsolvenzen

Bei den Privatinsolvenzen ist weitgehend ein Rückgang feststellbar: Die Gesamtzahl sank im Halbjahresvergleich von 5.499 um 3,89 Prozent auf 5.285 Fälle. Die eröffneten Verfahren sanken um 4,73 Prozent auf 4.712.

Ein Plus gab es in Salzburg (+8,22 Prozent), Vorarlberg (+6,98 Prozent) und dem Burgenland (+3,88 Prozent). Die österreichweiten Gesamtpassiva sanken im Halbjahresvergleich von 559 auf 458 Mio. Euro - die Durchschnittsverschuldung bei den Privatinsolvenzen beträgt somit 97.200 Euro.

Die Zahl der Privatinsolvenzen liegt laut AKV seit Jahren über der Zahl der Firmeninsolvenzen. Im ersten Halbjahr waren österreichweit pro Woche 203 Privatpersonen zahlungsunfähig. Davon waren 62,2 Prozent Männer. (APA, 21.6.2013)

  • Durch die Insolvenzen im ersten Halbjahr sind bisher fast 17.000 Jobs gefährdet.
    foto: standard/cremer

    Durch die Insolvenzen im ersten Halbjahr sind bisher fast 17.000 Jobs gefährdet.

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