Technikerinnen verzweifelt gesucht

20. April 2012, 17:00
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Technische Fachkräfte werden am Arbeitsmarkt stark umworben - Diese Not lenkt die Initiativen der Firmen besonders stark in Richtung Frauen

Ein Leben ohne Technik ist kaum vorstellbar, in technischen Branchen zu arbeiten wollen aber noch immer zu wenige. Dabei sind Technikerinnen und Techniker am Arbeitsmarkt gefragt. So schätzt der Mechatronik-Cluster OÖ, dass in Österreich jährlich zwischen 3000 und 5000 Ingenieure unterschiedlicher Fachdisziplinen für die heimische Wirtschaft fehlen. Laut Industriellenvereinigung (IV) hatten im letzten Jahr 86 Prozent der Unternehmen Probleme, Fachkräfte für den Bereich Technik und Produktion zu rekrutieren, 2010 waren es 77 Prozent. Studierende technischer Fachrichtungen haben häufig schon vor ihrem Abschluss mehrere Jobangebote auf dem Tisch.

Doch nicht nur hochqualifizierte Mitarbeiter sind gefragt, auch an ausgebildeten Facharbeitern mangelt es. Um den Bedarf zu decken, strengt sich die Branche an und bietet attraktive Gehälter, umfassende Weiterbildungsprogramme und Karrierechancen in alle Richtungen. "Wenn aber die Begeisterung für Technik nicht da ist, dann helfen alle diese Bemühungen wenig", sagt Lothar Roitner, Geschäftsführer des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (Feei). Dafür wäre technische Bildung schon in der Grundschule ein notwendiger Lehrinhalt. Daher unterstützt der Verband unter anderem auch das Bildungsprojekt Leonardino, das alle Wiener Volksschulen mit technischen Experimentierboxen ausgestattet hat.

Interesse der Frauen fördern

Neben der Technikvermittlung in jungen Jahren werden auch Mädchen und Frauen verstärkt gefördert. So auch beispielsweise bei der Robert Bosch AG, die mit dem "Bosch - Technik fürs Leben"-Preis Jugendlichen insgesamt ein gutes Karrieresprungbrett bieten möchte. Der Konzern beteiligt sich auch am "Wiener Töchtertag" am 26. April, um Mädchen direkt erreichen und ihnen die Bandbreite technischer Berufe näherbringen zu können.

"Initiativen wie diese sind nötig, um ein Umdenken in der gesamten Familie zu erreichen", sagt Christine Moravec, Direktorin der HTL Donaustadt. "Bei der Ausbildungswahl sind die Eltern und auch die Großeltern noch immer ein entscheidender Faktor", so die Direktorin. Nicht selten werde den Mädchen daher sogar von der Familie abgeraten, in die Technik zu gehen. Junge Frauen, die sich für nichttraditionelle Berufe entscheiden, müssen also noch viele Rollenklischees überwinden.

Nach wie vor ist der beliebteste Lehrberuf bei Mädchen Einzelhandelskauffrau, gefolgt von Bürokauffrau und Friseurin. Immer mehr Initiativen und Informationsplattformen bemühen sich daher, Mädchen für Technik zu begeistern. Bis dies greift, wird es aber noch dauern. " Es ist zwar schon ein kleiner Aufwärtstrend zu merken, doch das Umdenken in der Gesellschaft hat leider erst begonnen", meint Moravec.

Ausdrückliche Anfragen nach weiblichen Spezialisten

Dass die Nachfrage nach Frauen in der Technik steigt, beobachtet auch das Engineering-Unternehmen IVM. "Vor zehn Jahren bekamen wir vielleicht drei bis fünf Prozent ausdrückliche Anfragen nach weiblichen Spezialisten, inzwischen sind es 15 bis 20 Prozent", sagt Walter Hanus, CEO von IVM. Einen Grund dafür sieht er auch darin, dass Unternehmen erkannt haben, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse bringen.

Das Bemühen der Unternehmen zeigt sich auch beim diesjährigen TUday, der Karrieremesse des TU Career Centers der Technischen Universität Wien. Mit rund 100 Ausstellern, die mehr als 350 Jobangebote in ihrem Gepäck hatten, verzeichnete die Messe abermals einen neuen Rekord. "Noch nie waren wir so schnell ausverkauft", sagt Helene Czanba, Geschäftsführerin des TU Career Centers. Daher musste auch die Ausstellungsfläche um die Räumlichkeiten der Bibliothek erweitert werden.

Bereits zum vierten Mal wurden im Rahmen des TUday die Verbund-Stipendien an herausragende Studentinnen in drei Kategorien vergeben. Ausgezeichnet wurden Nadine Wieser, Bachelorstudentin Bauingenieurwesen und Infrastrukturmanagement, Stefanie Pyka, Masterstudentin Elektrotechnik, und Elke Moser, PhD-Studentin der Technischen Mathematik. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 21./22.4.2012)

  • Auf der TUday-Bühne: Gudrun Ostermann und Günther Oswald im Gespräch mit Georg Westphal (Verbund), Rainer Schügerl (SVC), Hubert Wackerle (itSV), Susanna Zapreva, Peter Weinelt (beide Wien Energie), Anatol Amon, Sandra Gruber (beide ÖBB), Heinz Kaupa (APG).
    foto: standard/robert newald

    Auf der TUday-Bühne: Gudrun Ostermann und Günther Oswald im Gespräch mit Georg Westphal (Verbund), Rainer Schügerl (SVC), Hubert Wackerle (itSV), Susanna Zapreva, Peter Weinelt (beide Wien Energie), Anatol Amon, Sandra Gruber (beide ÖBB), Heinz Kaupa (APG).

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