Psychotherapeuten planen Protest

20. Juni 2013, 19:41
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Aktionstag vor Parlament soll Widerstand gegen geplantes Psychologengesetz zeigen

 Wien - Österreichs Psychotherapeuten planen für 26. Juni einen Protest vor dem Parlament - der Aktionstag soll auf ihre Kritik am geplanten Psychologengesetz aufmerksam machen. Das Gesetz, das derzeit in Begutachtung ist, soll noch im Juli beschlossen werden.

Große Bandbreite

Psychotherapeutenverbandspräsidentin Eva Mückstein will mit dem Protest die Forderungen von Psychotherapeuten und Psychiatern bekräftigen. Sie hofft, vor dem Beschluss des Gesetzes Gespräche zu erreichen, die alle Betroffenen einbinden.

Psychotherapeuten und Psychiater kritisieren die Kompetenzerweiterungen, die Psychologen durch das Gesetz zugestanden werden sollen. Stören sich Psychiater an den erweiterten Diagnosemöglichkeiten, kritisieren Psychotherapeuten die undefinierten Behandlungsmethoden.

Künftig sind Psychologen berechtigt, alle psychiatrischen Krankheiten zu diagnostizieren, die Bandbreite reicht hier von leichten Depressionen über Schizophrenie bis zu Suchterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen. Eine Domäne, die bisher Psychiatern vorbehalten war.

Eva Mückstein befürchtet, dass mit dem neuen Gesetz die Grenzen zur Psychotherapie überschritten werden. Eine "klinisch-psychologische Behandlung", wie sie im Gesetzesentwurf vorgesehen sei, existiere EU- weit nicht.

Tatsächlich ist die Definition von klinisch-psychologischen Behandlungen unklar. Psychotherapeuten fordern eine deutliche Formulierung im Gesetz. Die sei auch für den Patienten wichtig, um verschiedene Therapien auseinanderhalten zu können. Denn der Tätigkeitsvorbehalt für Psychologen ist ein weiterer Kritikpunkt. Er besagt, dass nur Psychologen klinisch-psychologische Diagnosen stellen, aber weder Psychotherapeuten noch Psychiater auf solche Instrumente zurückgreifen dürfen. Intern sollen Rot und Schwarz hier bereits zurückrudern und von einem Fehler im Gesetzestext sprechen, der noch geändert werden soll.

Reaktion "merkwürdig"

Stephan Doering, Leiter der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, bezeichnet das neue Gesetz als einen "Freibrief", der es Psychologen gestatte, zur Behandlung unkontrolliert jede beliebige Form zu wählen. Anders Germain Weber, Dekan der Psychologischen Fakultät an der Uni Wien. Er findet die Reaktion der Psychotherapeuten "merkwürdig". Das neue Gesetz stehe für eine neue Qualität in Praxis und Ausbildung. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 21.6.2013)

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