Erweiterung eines Flüchtlingsquartiers: Va banque am Stammtisch

Kommentar20. Juni 2013, 18:39
3 Postings

Frühzeitige, transparente Kommunikation kann ein Debakel im Wirtshaus verhindern

"Die Ausländer" sind ja ein beliebtes Stammtischthema in Stadt und Land, falls das Wetter gerade keine diskussionswürdigen Kapriolen schlägt. Und für gewöhnlich ist die Tendenz der Gespräche klar: Die Fremden sind eine potenzielle Gefahr oder zumindest Grund für Ärgernisse. Umso ungewöhnlicher, wenn das durchaus kontroversielle Thema im Wirtshaus kaum mehr als ein Achselzucken hervorruft - noch dazu, wenn im Ort eine Flüchtlingsunterkunft vergrößert wird.

Ebendieses ist aber in Maria Enzersdorf der Fall. Obwohl dort eine bestehende Flüchtlingsunterkunft um eine für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erweitert wird. Ein Vorhaben, das in anderen Gemeinden - Stichwort Eberau im Jahr 2009 - zur sekundenschnellen Bildung von Bürgerinitiativen führt, wird dort von den Bürgerinnen und Bürgern zumindest hingenommen.

Der Grund: frühzeitige, transparente Kommunikation anstatt Geheimplänen, die zu Getuschel und Verunsicherung der Bevölkerung führen. Die VP-Bürgermeisterin ist mit dieser Strategie sogar ein echtes Va-banque-Spiel eingegangen - denn die Erweiterung wurde bereits im März, noch vor der niederösterreichischen Landtagswahl, im Gemeindeblatt publiziert.

Ein Vorgehen, das Vorbild auch für größere Verwaltungseinheiten sein sollte: Offenheit statt Populismus bedeutet nicht automatisch ein Debakel an den Stammtischen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 21.6.2013)

Share if you care.