Ausfahrt mit dem Puch Maxi

Kolumne23. Juni 2013, 17:12
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Erinnerungen an ein überaus dramatisches Geburtstagsfest

Aus der unerfreulich langen Serie mobiler Jugendsünden gibt es noch eine auf zwei Rädern zu berichten. Eine von vielen, aber exemplarisch und dramatisch.

Es war Mutters Geburtstag. Ich hatte ihn vergessen. Als ich in der Früh das Haus verließ, um zur Schule zu gehen, wurde mir dieser Frevel bewusst: Sie rief ihn mir nach. Dieses Versäumnis musste wettgemacht werden: Bis zum Nachhausekommen musste ein Geburtstagsgeschenk her, ein prächtiges. Ein Wandteller. Sie hatte schon etliche. Quasi Sammelleidenschaft.

Polizei, Rettung, Feuerwehr

In der Schulpause borgte ich von Franz sein Puch Maxi aus. Das heißt, ich musste ihn regelrecht bedrängen, ich war schließlich noch nicht 16 und durfte gar nicht fahren. Franz ließ sich schließlich umstimmen, gab sein Puch Maxi her. Ich düste nach Mauer ins Keramikgeschäft, erstand auf die Schnelle einen wohlfeilen Wandteller, verpackte ihn und macht mich auf den Rückweg.

Auf diesem kam mir dann eine Straßenbahn in die Quere, und zwar buchstäblich: Ich rammte sie. Man könnte sagen, ich hatte versucht, während der Fahrt durch die geschlossene Türe einzusteigen, samt Mofa. Dieses war übrigens Totalschaden. Die Straßenbahn hatte auch ordentlich etwas abbekommen. Polizei, Rettung, Feuerwehr. Großes Trara.

Anzeige, Strafe, Klage

Und das wenige Minuten von Mutters Haus entfernt, in dem sie saß und sich wegen des Geburtstags grämte. Wenn sie geahnt hätte, was da noch auf sie zukommen würde. Ich hatte mir den Arm gebrochen, Anzeige, Strafe, Schadenersatzklage der Verkehrsbetriebe. Ich traute mich nicht nach Hause, blieb über Nacht weg.

War das ein Geburtstag. Unvergesslich. Der Teller hat den Unfall übrigens unbe­schadet überstanden und hat heute einen Ehrenplatz. Er hängt als einziger noch an der Wand. (Michael Völker, DER STANDARD, 21.6.2013)

  • Puch Maxi: Erster Fluchthelfer für Generationen von Pubertierenden. Mag keine Straßenbahnen.
    foto: puch

    Puch Maxi: Erster Fluchthelfer für Generationen von Pubertierenden. Mag keine Straßenbahnen.

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