Salzburger Experte manipulierte Gutachten

20. Juni 2013, 17:05
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Anklage gegen früheren Gerichtssachverständigen

Linz/Salzburg - In 13 Fällen soll ein ehemaliger psychologischer Sachverständiger Beweismittel verfälscht haben. Der Salzburger wird verdächtigt, Gutachten in Serie produziert zu haben, indem er gleichlautende Textbausteine mehrmals verwendete. Zudem wird ihm vorgehalten, in einseitiger Weise Zeugenaussagen und Ergebnisse psychologischer Tests manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Linz hat nun Anklage gegen den 50-Jährigen eingebracht. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft.

Ermittlungen nach Linz delegiert

Um den Anschein der Befangenheit zu vermeiden, wurden die Ermittlungen von Salzburg nach Linz delegiert. Die Behörde beauftragte einen Berliner Universitätsprofessor, die vor allem für Obsorge- und Pflegschaftsverfahren erstellten Gutachten des Beschuldigten zu analysieren.

Der Psychologe Max Steller fällte ein vernichtendes Urteil: Die Schlussfolgerungen des Fachkollegen seien nicht nachvollziehbar, die Wahl der psychologischen Methoden intransparent. Der Strafantrag folgte der Kritik: Die "methodischen Schritte" seien "in allen diesen Gutachten unklar und daher für den Prozess der gutachterlichen Urteilsbildung nicht verwertbar".

Wann und wo der Prozess stattfinden wird, ist noch offen. Die Opfer haben Bedenken an der Unbefangenheit des Salzburger Landesgerichts angemeldet, da der Verdächtige auch in dessen Auftrag tätig war. (APA, ker, DER STANDARD, 21.6.2013)

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