Friedensprozess mit Taliban gerät ins Stocken

20. Juni 2013, 15:54
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Gespräche mit USA verzögern sich, afghanischer Präsident Karzai boykottiert Dialog

Kabul/Doha/Washington - Die Bemühungen um einen Frieden in Afghanistan sind erheblich ins Stocken geraten. Ursprünglich für Donnerstag in Katar geplante Gespräche zwischen den USA und den radikal-islamischen Taliban verzögerten sich. Auch zwischen Vertretern Afghanistans und den Taliban gibt es vorerst offenbar kein Treffen, nachdem Präsident Hamid Karzai das am Mittwoch überraschend abgelehnt hatte.

Noch am Dienstag hatte Karzai den Taliban Friedensverhandlungen angeboten. Fast zeitgleich kündigten auch die USA, die das größte ausländische Truppenkontingent in dem seit zwölf Jahren andauernden Krieg am Hindukusch stellen, Gespräche mit den Islamisten an. In beiden Fällen wurde das Golf-Emirat Katar als Schauplatz genannt, wo bereits im vergangenen Jahr Gespräche zwischen Taliban und US-Vertretern stattfanden.

Hoffnungen auf Friedensprozess geweckt

Die jüngste Entwicklung hatte Hoffnungen geweckt, dass eineinhalb Jahre vor dem geplanten Abzug der letzten internationalen Kampftruppen doch noch ein Friedensprozess in Gang kommen könnte. Nach Angaben eines pakistanischen Regierungsvertreters sollte es in den Gesprächen zwischen Amerikanern und Taliban voraussichtlich unter anderem um einen Gefangenenaustausch als eine erste vertrauensbildende Maßnahme gehen. Pakistans Militär spielte nach US-Angaben eine entscheidende Rolle dabei, die Taliban zu Gesprächen mit den USA zu überreden.

Doch Karzai reagierte verärgert darauf, dass die Gespräche zumindest zunächst offenbar nicht unter afghanischer, sondern amerikanischer Leitung stehen sollten. Außerdem erregte die medienwirksam inszenierte Eröffnung des Verbindungsbüros der Taliban am selben Tag in Katars Hauptstadt Doha die Gemüter in Kabul. Dort fürchtet man, das Büro könne sich zur Dependance einer Taliban-Exil-Regierung entwickeln - auch wenn Katars Außenministerium am späten Mittwochabend klarstellte, dass das Büro keine Botschaft sei und die Taliban, die Afghanistan zwischen 1996 und 2001 mit eiserner Faust regierten, auch kein Land repräsentierten.

US-Außenminister in Doha erwartet

Diplomaten zufolge traf am Mittwoch eine US-Delegation in Doha ein. Am Freitag wird US-Außenminister John Kerry in Doha zu einem zweitägigen Besuch erwartet. Auf der Agenda stehen nach Angaben des Außenministeriums in Washington Treffen mit hochrangigen Vertretern Katars. Kerry werde aber nicht mit Taliban-Gesandten zusammenkommen, sagten amerikanische Regierungsvertreter.

In Afghanistan selbst blieb die Lage angespannt. Am späten Dienstagabend wurden nach Militärangaben vier US-Soldaten bei einem Raketenangriff auf den schwer bewachten Stützpunkt Bagram bei Kabul getötet.

Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maiziere traf am Donnerstag zu einem Truppenbesuch im deutschen Hauptquartier in Mazar-i-Sharif im Norden des Landes ein. Dort wollte er sich über die Lage der deutsche Soldaten und den Stand des Abzugs vom Hindukusch informieren. (APA, 20.6.2013)

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