Die letzten Tage eines Häftlings in einem sibirischen Hochsicherheitsgefängnis

Ansichtssache25. Juni 2013, 10:22
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Ein Fotograf hat die Tage vor der Entlassung von Boris Kovalyov dokumentiert

Die Vergangenheit der sibirischen Stadt Krasnojarsk ist düster: In den Jahren zwischen 1938 und 1956 wurden rund eine Million Menschen in Arbeitslager deportiert. Noch heute steht in der drittgrößten Stadt Sibiriens ein Hochsicherheitsgefängnis für männliche Verbrecher. Für Reuters-Fotograf Ilya Naymushin öffneten sich für ein paar Tage die Türen zu der Haftanstalt. Er begleitete dort die letzten Tage des 32-jährigen Häftlings Boris Kovalyov.

Für Kovalyov war es bereits der zweite Gefängnisaufenthalt seines Lebens, nachdem er wegen Diebstahls mehrere Jahre in einer Haftanstalt nahe Krasnojarsk gesessen war. Kurze Zeit nach seiner Entlassung wurde er zu acht Jahren in dem Hochsicherheitsgefängnis der Stadt verurteilt. Er hatte mit Drogen gedealt. Die meisten seiner Mitgefangenen waren Wiederholungstäter. Nach zweieinhalb Jahren wurde er in eine noch strengere Haftanstalt im Norden Krasnojarsks verlegt.

Schulabschluss und Preise als Sänger

Dort holte Kovalyov, der u.a. auf dem ersten Bild unten zu sehen ist, seinen Schulabschluss nach. Danach wurde er Tischler und Maschinenschlosser und arbeitete als Kameramann in der gefängniseigenen Fernsehstation. Außerdem bewies er sportliches Talent und wurde Kapitän des Fußball-, Volleyball und Basketballteams. Bei Musikwettbewerben gewann der passionierte Sänger Preise.

Im Mai erhielt Kovalyov die Nachricht, dass er zweieinhalb Jahre vor Ende seiner Haftstraße wegen guter Führung entlassen wird - nach fünfeinhalb Jahren in einem der größten Hochsicherheitsgefängnisse Russlands. Fotograf Naymushin nennt den nunmaligen Ex-Häftling in seinem Blog einen "Nicht-Helden". (red, derStandard.at, 20.6.2013)

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