Xbox One: "Sony hat Microsoft bekehrt, nicht das jammernde Internet"

20. Juni 2013, 10:58
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Entwickler und Medien reagieren unterschiedlich auf die Kehrtwende

Die Ankündigung Microsofts, dass man von allen geplanten neuen Online-DRM-Maßnahmen absehen wird, hat in der Videospielbranche die unterschiedlichsten Reaktionen hervorgerufen. Während Kunden den Schritt mehrheitlich begrüßen, wird der 180-Grad-Wende von medialer Seite auch mit Misstrauen begegnet. Industrievertreter zweifeln hingegen, ob dies die richtige Entscheidung war.

Zahlen sprechen für sich

Geht man nach den Vorbestellungen, dürfte Microsofts Rückzieher die richtige Wahl gewesen sein. Erstmals seit der E3 konnte sich die Xbox One wieder an die erste Stelle der Amazon.com-Verkaufscharts reihen, gefolgt von gleich mehreren PS4-Angeboten. Auch begrüßte der weltweit größte Fachhändler GameStop Microsofts Umdenken. "Wir begrüßen Microsofts Ankündigung (...) Das ist eine tolle Nachricht für Spieler und wir applaudieren Microsofts Einsicht, dass der Gebrauchtspielmarkt wichtig ist", heißt es von einem Unternehmenssprecher gegenüber Polygon. Nach den alten Bestimmungen wären Xbox One-Games und deren Käufer mit Hilfe regelmäßiger Online-Checks überprüft worden.

Spielhersteller Electronic Arts nutzte die Gelegenheit, um zu bekräftigen, dass man trotz der Änderungen keine externen Maßnahmen ergreifen werde, um bei Second-Hand-Handel mitzuschneiden. Der Konzern kündigte erst im Mai die Einstellung seines ungeliebten und offenbar wirtschaftlich nicht erfolgreichen Online-Pass-Systems an. 

Der Markt, nicht der User spricht

Der für seine Offenheit bekannte Spielentwickler Cliff Bleszinski, kritisiert hingegen Microsofts Einlenken. Der Schöpfer der Xbox-exklusiven Shooter-Serie "Gears of War" glaubt, dass eine Gebrauchtspielkontrolle wichtig gewesen wäre, um die Entwicklung von kostspieligen Blockbuster-Games auf lange Sicht profitabel zu halten. "Mehr Studios werden zusperren und es wird mehr PC- und Mobile-Games geben", vermeldete Bleszinski über eine Welle von Twitter-Nachrichten.

Dass Microsoft auf seine Kunden gehört haben will, hält er überdies für eine Marketing-Mär. Anstelle dessen hätte die starke Konkurrenz in Form der PlayStation 4 (PS4) den Konzern zum Handeln gezwungen. "Sony hat Microsoft bekehrt, nicht das jammernde Internet", meint der Entwickler. Unter großem Beifall hatte Sony vergangene Woche verkündet, dass man bei der PS4 keine Online-Kopierschutzsysteme einsetzen werden und die Konsole noch dazu 100 Euro billiger sein wird, als die Xbox One.    

Skeptisch bleiben

Die Branchenseite Kotaku feiert Microsofts Umdenken hingegen als Sieg der kritischen Konsumenten. "Die Zurücknahme des Xbox One-DRMs ist der Beweis dafür, dass die Äußerung von Kritik Resultate erzielen kann", so Kotaku.

Die britische Seite Eurogamer ist skeptischer und warnt davor, was noch kommen könnte. Mit der Bekanntgabe des komplexen DRM-Systems vor rund zwei Wochen habe Microsoft gezeigt, in welche Richtung man gehen möchte. Die gesamte Unternehmensstrategie wurde auf die verstärkte Kontrolle und eine durch und durch vernetzte Online-Welt ausgelegt. Die jetzige Kehrtwende wirke wie eine übereilte Reaktion auf eine schwierige Marktsituation. "Ich hoffe zu tiefst, dass Microsoft nicht nur eingesehen hat, dass man zu früh zu weit gegangen ist mit den ursprünglichen Lizenzbestimmungen der Xbox One", sondern dass man seine Strategie langfristig überarbeiten und ausbalancieren muss. (zw, derStandard.at, 20.6.2013)

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