Ernte-Erträge halten nicht mit der steigenden Weltbevölkerung mit

22. Juni 2013, 17:30
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Bis 2050 wäre Verdoppelung notwendig - die aktuellen Zuwachsraten lassen dies jedoch nicht realistisch erscheinen

Washington - Zwei Wachstumskurven, die nicht im Einklang miteinander stehen: Die Erträge von Reis, Mais, Weizen und Sojabohnen steigen einer aktuellen Studie zufolge nicht stark genug an, um den größer werdenden Bedarf zu decken. Im Jahr 2050 müsste doppelt so viel von diesen Pflanzen geerntet werden wie derzeit. Dazu müsste sich der Ertrag um durchschnittlich 2,4 Prozent in jedem Jahr bis 2050 verbessern. "Die aktuellen Raten erreichen dieses Ziel aber nicht", schreiben die US-Forscher im Online-Journal "PLOS One".

Mit den derzeitigen Raten ließe sich die Produktion von Mais bis zum Jahr 2050 um rund 67 Prozent steigern, berechnete das Team um Jonathan Foley vom Institute on the Environment an der University of Minnesota. Für Reis gebe es ein Plus von 42 Prozent, für Weizen 38 Prozent und für Sojabohnen 55 Prozent.

Nicht nur mehr Menschen, auch höherer Verbrauch

Drei Fakten sorgen dafür, dass mehr Agrarpflanzen nötig sind: Die Weltbevölkerung wird von sieben auf neun Milliarden Menschen steigen. Jeder Mensch isst im Durchschnitt mehr Fleisch und Milchprodukte, zu deren Produktion viele Pflanzen nötig sind, und es wird mehr Biosprit verwendet. Hinzu kommt: Auch die derzeit rund 870 Millionen unterernährten Menschen sollten künftig genug zu essen haben.

Das Forscherteam hatte für die Arbeit gut 2,5 Millionen Zahlen zusammengetragen. Es handelte sich um Angaben zu Ernteflächen und Ertrag - und zwar von der Dorf-Ebene bis zur Landes-Statistik sowie von 1961 bis 2008. Dabei wurde vor allem auf die Trends der zwei jüngsten Jahrzehnte geachtet. Außerdem konzentrierten die Forscher sich auf Mais, Reis, Weizen und Sojabohnen. Diese Pflanzen ergeben zusammen rund zwei Drittel jener Energiemenge, die momentan der Anbau aller Kulturpflanzen weltweit erbringt.

Paradoxe Entwicklungen

Die Forscher machten mehrere Krisenregionen - wie zum Beispiel Guatemala - aus, wo Mais rund 36 Prozent der Energie aus Nahrungsmitteln stellt: Während dort die Bevölkerung wächst, geht die Mais-Produktion aber zurück. Problematisch sei die Lage auch in China und Indien, so die Forscher weiter: Die beiden Länder gehören hinsichtlich Reis und Weizen jeweils zu den drei wichtigsten Herstellern der Welt, aber die Erträge stiegen kaum. In China würde pro Jahr etwa 0,7 Prozent mehr Reis und 1,7 Prozent mehr Weizen gewonnen; in Indien sei es pro Jahr etwa 1,0 Prozent mehr Reis und 1,1 Prozent mehr Weizen.

Mit diesen Raten würde in beiden Ländern die Pro-Kopf-Ernte gerade gleich bleiben, so die Forscher. Der Hunger der Weltbevölkerung ließe sich damit aber nicht lindern. Ähnlich sei es in Afrika: Dort sinke die Pro-Kopf-Ernte für Reis ausgerechnet in nahezu all jenen Ländern, wo sich die Menschen vor allem von Reis ernähren, zum Beispiel auf Madagaskar sowie in Mali, Nigeria und Tansania.

Um all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, müsse mehr geerntet werden. Deswegen sei es wichtig, den Ertrag pro Pflanze anzukurbeln, so die Forscher. Mehr Anbaufläche sei hingegen keine Lösung: Als Weideland werde weltweit bereits eine Fläche genutzt, die etwa der Fläche des afrikanischen Kontinents entspreche. (APA/red, derStandard.at, 22. 6. 2013)

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