Warum Oberösterreich eine Med-Uni braucht

Kommentar der anderen19. Juni 2013, 18:58
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Die Medizinfakultät würde den Fehlbedarf an Ärzten mildern, meint Josef Pühringer in einer Replik auf Gerfried Sperl

Betrifft: "Linzer Medizin-Fakultät oder: Wie Politiker denken" von Gerfried Sperl, DER STANDARD, 10. Juni 2013

Gerfried Sperl beschließt seine Philippika gegen eine Medizinfakultät in Linz mit einem bemerkenswerten Satz: "Gerade der internationale Erfolg der Ars Electronica müsste zu Überlegungen führen, einen Ausbau der Linzer Uni mit international relevanten Konzepten zu betreiben." Bemerkenswert deshalb, weil wir mit unserem Eintreten für eine Medizinfakultät genau das tun. Themen wie "Gesund Altern" und "Richtig ernähren" sind internationale Wachstumsbereiche, die derzeit an Österreich vorbei gehen. Der geplante Forschungsschwerpunkt " Versorgungsforschung" mit seiner Fokussierung auf die Patienten und seine Bedürfnisse wird ganz konkret zu der immer wieder geforderten Verbesserung des Arzt-Patienten-Verhältnisses und damit der Qualität der medizinischen Versorgung beitragen. Das gilt auch für den Schwerpunkt " Klinische Altersforschung", der eine Antwort auf eine der größten Herausforderungen nicht nur an unsere Gesellschaft, sondern alle Gesellschaften in den Industrienationen darstellt.

Die gewählten Forschungsschwerpunkte "Versorgungsforschung" und "Klinische Altersforschung" eignen sich aber auch für Forschungskooperationen mit den bestehenden medizinischen Universitäten in Österreich und für die Gewinnung internationaler Partner.

Gut für den Standort

Gutachten haben belegt, dass die Johannes-Kepler-Universität mit der vorliegenden Konstruktion in Fragen der interfakultären Kooperation und der Querschnitt-Schwerpunktsetzung an einer Medizinischen Fakultät im deutschsprachigen Raum führend wäre. Auch das trägt zur Steigerung der Attraktivität des Forschungsstandorts Österreich bei. Nicht nur im Bereich der Forschung müssen wir rechtzeitig Antworten auf zukünftige Herausforderungen geben, sondern auch bei der Medizinerausbildung selbst. Wir haben bereits jetzt erhebliche Nachwuchsprobleme, etwa bei Turnusärzten.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht, denn es werden in den nächsten Jahren mehr Ärzte in Pension gehen als ausgebildet werden. Mit einer Medizinfakultät in Oberösterreich kann dieser Fehlbedarf, der auf uns zukommt, natürlich nicht sofort gedeckt werden, er würde sich aber nach den Berechnungen der Landesstatistiker ab dem Jahr 2029/2030 schrittweise spürbar verringern.

Natürlich ist mir bewusst, dass wir Oberösterreicher mit der Forderung nach einer eigenen Medizinfakultät bei anderen Standorten keine Begeisterungsstürme auslösen. Für uns ist das nichts Neues. Als wir Anfang der 60er-Jahre die Schaffung einer eigenen Landesuniversität gefordert haben, wurde uns von der Rektorenkonferenz ausgerichtet, dass dafür kein Bedarf bestehe. Heute, in einer Wissensgesellschaft, haben wir allen weitblickenden Verantwortungsträgern zu danken, die damals die Johannes-Kepler-Universität möglich gemacht haben. (Josef Pühringer, DER STANDARD, 20.6.2013)

Josef Pühringer

ist Landeshauptmann von Oberösterreich.

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