Sollen Eltern die Schule klagen dürfen? Ja, natürlich

Leserkommentar19. Juni 2013, 18:55
102 Postings

Von Eltern, die Schulen verklagen, und Kreuzen im Klassenzimmer

Universität Wien, Symposium "Bildungssackgassen". Experten aus Deutschland berichten, dass dort in den letzten zehn Jahren die Noten für idente Leistungen um knapp zwei Stufen gestiegen sind. Ein hoffnungmachendes früheres "Nicht genügend" ist heute ein knappes "Befriedigend". Heimische Experten bestätigen diesen Trend. In Deutschland heißt diese Praxis "Qualitätssicherung durch Notendumping".

Die Väter des Trends? Drohende Eltern, resignierende Lehrer, der Druck der Direktoren auf diese, im Interesse des Kampfes um jeden Schülerkopf negative Beurteilungen zu vermeiden - Oberstufengymnasium, HAK, HTL und sonstige Fachschulen "vor Ort" konkurrenzieren einander, als gäbe es kein morgen! So wird jungen Menschen vorgegaukelt, sie würden positive Leistungen erbringen, auch wenn nichts stimmt. So werden Bildungskatastrophen in Form erschreckender Quoten an Analphabeten - aktuell 28 Prozent der Pflichtschulabsolventen - verursacht, so werden positive Lebensperspektiven von Tausenden ruiniert!

Eine Deutschschularbeit, übersät mit rot angestrichenen Fehlern, und dennoch ein "gut" - weil der "Inhalt verständlich ist"! Bei solchen Zeichen von Notendumping bleibt Eltern nur die "Klage" - zuerst mündlich bei Lehrer, Direktor, Schulaufsicht - im Falle von Erfolglosigkeit vor Gericht! Doch der Beklagte sollte nicht der ohnehin von allen Seiten bedrängte Lehrer, sondern Direktor und Schulaufsicht - Bezirks-, Landes- bzw. Stadtschulrat - sein, denn diesen Stellen sind Notendumping und ruinöse Schulkonkurrenz sehr wohl bekannt - doch was tun sie dagegen?

Die Bildungspolitik? Diese behauptet gebetsmühlenartig, die Schule befände sich auf einem "guten Weg", obwohl im "Nationalen Bildungsbericht 2012" des Bildungministeriums alle Parameter nach unten deuten. Sie kennt den Unterschied zwischen "Ganztagesschule" und " Vormittagsunterricht plus unterrichtsfreie Nachmittagsbetreuung" nicht und spricht vom "großen Wurf", den die neue Lehrerbildung angeblich darstellt. Von dieser ist nichts bekannt, außer dass der "Schlauch" nun länger und universitär und sein wird, doch welche Art von "Wein" - sprich: Geist und Inhalt - sich darin befinden wird, ist unbekannt! Klagen - wen? Sollten sich die besorgniserregenden Hinweise bewahrheiten, dass die neue Lehrerbildung wider alle Notwendigkeit ein weiteres Ausufern des heute so leicht wie noch nie abrufbaren Faktenwissens und nicht das unverzichtbare, feedbackorientierte gemeinsame "Üben, Üben, Üben" der heute so unendlich schwierig gewordenen Arbeit in der Klasse bringen wird, so sollten vorausblickend schon heute die dafür politisch Verantwortlichen verklagt werden - von heutigen Eltern im Interesse künftiger Schüler!

Ernst Smole, Internationales Forum für Kunst, Bildung und Wissenschaft, 1080 Wien

***

Billige Polemik

Betriffft: "Die heilige Dreifaltigkeit der staatlichen Schule"

Wenn sich ein Teilnehmer des STANDARD-Montagsgesprächs zu der Feststellung verstiegen hat, dass ein religiöses Symbol im Klassenzimmer Ausdruck eines "Gottesstaates" sei, dann ist das mit Blick auf die in den Klassenzimmern der österreichischen Schulen angebrachten Kreuze mindestens billige Polemik, grenzt aber an Hetze. Sollte die Mehrzahl der Schüler einer Schule keinem christlichen Religionsbekenntnis angehören, dann wird man dem Gesetz zu entsprechen haben.

Ich möchte den Gegnern der Anbringung von Kreuzen in staatlichen österreichischen Schulen zu bedenken geben, dass dieses Kreuz nicht nur ein wesentlicher Teil der christlichen Tradition unseres Landes, sondern darüber hinaus unserer abendländischen Kultur ist.

Georg Weigl, per Internet  (DER STANDARD, 20.6.2013)

Share if you care.