Mit der Zeit reifende skulpturale Gedanken

19. Juni 2013, 17:19
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"Zwei Tröge, Wasserrinnen": Walter Pichlers Architektur-Skizzen und Zeichnungen

Wien - Bricht man es auf die einfachste Beschreibung herunter, so ist es ein Wasserüberlauf. Zwei zylinderförmige Becken, wobei das höhere - gespeist mit Wasser aus der Regenrinne - sich, ist der Pegel erreicht, mittels Rinnen in das andere ergießt: Zwei Tröge. Wasserrinnen, so auch der funktional gehaltene Titel, den der im Vorjahr gestorbene Walter Pichler für seine skulpturale Architektur fand.

Aber von simpler Funktionalität ist das Projekt, das bis heute nicht vollendet ist, weit entfernt. Zwei Tröge, Wasserrinnen sollte Teil seiner "Akropolis", also jenes Komplexes aus Skulpturen und deren Behausungen werden, das er rund um - oder mit - seinem Wohnhaus in St. Martin im Südburgenland realisierte. Die Geschichte der Objektgruppe, von der nun ein Gussmodell aus dem Jahr 2000/01 in der Galerie Thoman in Wien steht, begann in den 1980er-Jahren mit zwei steinernen Trögen, die Pichler fand und kaufte und gerne in das Gesamtkunstwerk integrieren wollte.

Eine langsam reifende Idee - das dokumentieren auch die zahlreichen Zeichnungen und Skizzen, die diese Formfindung begleitet haben - für zwei Wasserspeicher, die so gut zu seinem Prinzip der großen und kleineren Figuren passt. Im regenreichen Landstrich sollten diese Behältnisse auch nützliche Aufgaben erfüllen. In den 1990er-Jahren baute Pichler das Haus für die zwei Tröge, wo sich das über das Haus für die Bewegliche Figur (1983) und das Holzhaus hinwegfließende Wasser sammeln sollte.

Neben dem Gussmodell für die sich verzweigenden Rinnen sind in der Galerie nun viele Zeichnungen zu sehen, mit denen Pichler das Projekt umkreiste: architektonische Querschnitte, die Aufschluss über die Einbettung in die Gebäudefolge geben, Aufsichten, die die klaren, der Form der Tröge folgenden Strukturen verdeutlichen, Details zur Ausführung des Rinnensystems. Zeugnisse seines sich durch Behutsamkeit und Zeit auszeichnenden Werkes. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 20.6.2013)

Bis 5. 10., Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Seilerstätte 7, 1010 Wien

 

  • Zeichnung von Walter Pichler zum "Haus für die zwei Tröge" (2000).
    foto: © galerie elisabeth & klaus thoman

    Zeichnung von Walter Pichler zum "Haus für die zwei Tröge" (2000).

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