Wo das Rind graut und die Fischleber blüht

Ansichtssache25. Juni 2013, 17:55
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Fidler aalt sich im Seewinkel - bei Nyikospark, Varga, Illmitzer und im wunderbaren Schlossahaus

"So etwas hab ich noch nicht gegessen": Also staunte der Herr am Nachbartisch. Der Herr saß im Garten des Illmitzer und beäugte seine Nudeln - Kirschnudeln, um genau zu sein. Weil: Letzter Tag des Leithanischen "Kirschenzauber". Das Leithagebirge grüßt von jenseits des Sees. Wir hier herüben verputzen seine Kirschen.

Ich zum Beispiel in Gestalt eines Chutneys zum Gröstl vom Neusiedlersee-Steppenrind, auch Graurind genannt, wenn ich da nichts verwechsle. Und so nett das Chutney ist und so sehr ich das Graurind mag und so beharrlich ich die recht mild gewürzten Gröstelwürfel fast zwanghaft ins Chutney tunke - so richtig überzeugt bin ich nicht.

Da erscheint mir schon die Kirsche im Emmerrisotto schlüssiger, die diese ausgesprochen anziehende Frau gegenüber bestellt hat zum Huhn. Dessen Brust kommt freilich noch unter einer rosa Kirschpolenta-Haube, die mir wieder ein bisschen weit zu gehen scheint. Nicht schlecht, aber Obstthementage sind offenbar nicht so meins. Scheint mir auch nicht das idealtypische Kirschenjahr zu sein.

Vielleicht beim nächsten Mal doch lieber ins Gowerl-Haus? Oder einfach außerhalb der Kirschensaison vorbeischauen. Fein im besten Sinne jedenfalls war die Fischsuppe, sehr gemüsig, sehr dezent.

Wiedersehen ist aber an sich schon eine schwierige Disziplin, zeigte sich an diesem Ausflug recht klar: Nach Jahren der freudigen Erinnerung und Jahren des Vornehmens hab ich's an dem Wochenende endlich wieder geschafft ins Nyikospark in Neusiedl. Vielleicht liegt's am inzwischen kulinarisch Erfahrenen, vielleicht sind Wiederaufnahmen auch ein schwieriges Thema, kurzum: Es war gut, ziemlich gut sogar, aber ich kam nicht recht ins Schwärmen.

Ganz gleich die Erfahrung mittags darauf bei Varga in Gols, dem Wirtshaus des Fischers. Die geröstete Fischleber interessant, aber nicht nur mir doch ein gutes Stück zu knofelig. Der Karpfenmilchner, lang nicht gehabt, schwer okay. Der Aal am Spieß gut und gewaltig portioniert, der Stil der Deko scheint sich über die Jahre nicht geändert zu haben, was natürlich auch eine Qualität sein kann. Und der Zander eindeutig saftiger als sein Bruder am Vorabend.

Klingt ein bisschen nach zu hohen kulinarischen Erwartungen, womöglich vom Gedächtnis verklärt? So unschön war's keineswegs. Und richtig erfreulich mein Erstkontakt mit dem Schlossahaus in Mönchhof. Ein besserer Heuriger, eine bessere Buschenschank (für Steirerinnen: ein besserer Buschenschank), typisch, werden Sie jetzt sagen. Aber einfach fein zu sitzen, einfaches, aber wirklich erfreuliches Essen (Graurinderschinken, Graurinderwurst!), vernünftige Weine, gute Säfte. Bin nur ein bisschen gespannt, was ich nach dem nächsten Besuch sage. Dann ist der Wildteller dran.

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foto: harald fidler

So grüßt die Küche im Nyikospark in Neusiedl.

105 Euro für zweimal drei Gänge, Saft, Wasser, Kaffee.

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