Antidepressiva: Pharmafirmen blockierten Preissenkung

19. Juni 2013, 14:40
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Für Verzicht auf Markteinführung erhielten Generika-Hersteller Zahlungen und "andere Anreize" - EU-Kommission verhängt Millionenstrafen

Mehrere Pharmafirmen sollen gemeinsam jahrelang die Einführung preiswerter Medikamente gegen Depressionen verhindert haben. Die EU-Kommission verhängte nun deshalb millionenschwere Bußgelder, wie sie am Mittwoch, 19. Juni, in Brüssel mitteilte.

Das dänische Unternehmen Lundbeck muss demnach 93,8 Mio. Euro zahlen, die deutsche Pharmafirma Merck rund 21,5 Mio. Euro und die Unternehmen Arrow, Alpharma und Ranbaxy jeweils rund 10 Mio. Euro. Auch gegen die Generika-Firmen Resolution Chemicals, Xellia Pharmaceuticals und A.L. Industrier wurden Strafen verhängt.

Zahlungen bei Verzicht auf Markteinführung

Lundbeck stand mit seinem Antidepressivum Citalopram im Zentrum der verbotenen Absprachen. Es war das meist verkaufte Produkt des Unternehmens. Als das Patent für Citalopram ablief, drohte Konkurrenz von den anderen Firmen, da diese nun berechtigt waren, ähnliche Medikamente in Form von Generika herzustellen, die oft erheblich billiger sind. "Aber statt den Wettbewerb mit Lundbeck aufzunehmen, vereinbarten die Generikahersteller 2002 mit Lundbeck, auf eine Markteinführung zu verzichten", schreibt die Kommission.

Im Gegenzug erhielten die Wettbewerber demnach Zahlungen und "andere Anreize" von Lundbeck, "deren Wert sich insgesamt auf viele Millionen Euro belief", schreibt die Kommission. Allerdings handelt es sich nach Einschätzung der Kommission um einen komplexen Fall, unter anderem weil Lundbeck noch mehrere Patente über Herstellungsverfahren der Arznei besessen habe.

Schaden für Patienten und Gesundheitssysteme

Den Schaden hätten die Patienten und nationalen Gesundheitssysteme gehabt, erklärte die Kommission. In Großbritannien etwa sei das Generikum nach seiner breiten Markteinführung nach Ende der Absprachen um im Schnitt 90 Prozent billiger gewesen als das Original von Lundbeck.

Das dänische Unternehmen bestreitet allerdings die Feststellungen der Kommission. Lundbeck nannte den Bescheid in einer Erklärung "fehlerhaft" und kündigte an, ihn rechtlich anzufechten. Ein Sprecher von Merck KGaA in Darmstadt sagte: "Möglicherweise werden wir Einspruch erheben." Die Firma Generics UK, die laut Kommission dem Kartell angehörte, wurde demnach 2007 von Merck verkauft, das ehemalige Mutterhaus hafte jedoch im Fall des Falles.

Unabhängig von Geldstrafen können nun auch Patienten und Konkurrenzunternehmen die Firmen auf Schadenersatz verklagen. Der EU-Bescheid werde dabei vor den nationalen Gerichten als Beweis anerkannt, erklärte die Kommission. (APA/red, 19.6.2013)

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    Nun können auch Patienten und Konkurrenzunternehmen die Firmen auf Schadenersatz verklagen.

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