Werbeerlöse der Tageszeitungen sanken 2012 um fünf Prozent

19. Juni 2013, 10:26
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VÖZ-Präsident Kralinger: Hoher Kostendruck, aber Print qualitativ so gut wie nie - 416 Journalisten zusätzlich im neuen KV - ORF-Signale für österreichische Lösung bei Paid Content

Wien - Die Werbeerlöse der heimischen Tageszeitungen sind 2012 im Vergleich zum Jahr davor um fünf Prozent zurückgegangen. Das zeigt eine aktuelle Umsatzerhebung unter den Mitgliedsmedien des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ). "Die Werbeerlöse werden weiter zurückgehen", erklärt VÖZ-Präsident Thomas Kralinger. Zwar könne man die Einbrüche derzeit noch mit steigenden Vertriebsumsätzen kompensieren, "doch für die Zukunft brauchen wir eine reformierte Presseförderung, damit Qualitätsjournalismus in der jetzigen Qualität auch aufrecht erhalten werden kann".

Generalversammlung am Donnerstag

Über Qualität in den Medien wird derzeit angesichts des hohen Kostendrucks quer durch die Branche intensiv diskutiert, am Donnerstag etwa bei der 60. Generalversammlung des Zeitungsverbands. Ob die Medienhäuser den Qualitätsjournalismus gerade zu Tode sparen? Kralinger: "Da wären wir schlecht beraten. Keine Frage, dass in allen Medienhäusern ein hoher Kostendruck herrscht, und es ist sicherlich eine Gratwanderung. Aber sehen Sie sich die Zeitungen von vor zwanzig Jahren an. Da sieht man ganz klar, Österreichs Zeitungen und Magazine liefern heute deutlich mehr inhaltliche Qualität als früher, und unsere Redaktionen sind personell im Regelfall noch immer gut ausgestattet. Damit wir Qualität und Vielfalt am österreichischen Markt erhalten, brauchen wir aber eine deutlich besser dotierte Presseförderung."

Die Zeitungsverleger plädieren für eine Umstellung des derzeitigen Fördersystems auf eine Journalismusförderung mit qualitativen Kriterien. Eine Evaluierungsstudie der Universität Wien nennt als Beispiel für solche Kriterien etwa die Zahl der Redakteure im Verhältnis zum Umfang der Seiten sowie den Ausbildungsgrad und die Berufserfahrung der Redakteure oder die Anzahl der Korrespondenten. "Ich denke, dieses Modell ist sehr vielversprechend", so Kralinger.

"Höheres Tempo" gefordert

Von der Medienpolitik hätten sich die Verleger bei Presseförderung und Leistungsschutzrecht zwar ein "höheres Tempo" gewünscht, "wichtig ist aber nicht das Tempo, sondern das Ergebnis. Für eine gute und saubere Lösung im Interesse der Branche nehmen wir auch die Wahl-Verzögerung in Kauf. Die neue Regierung muss dann jedenfalls beweisen, dass sie ein Interesse an einem fairen dualen Medienmarkt hat. So sehr ich das Anliegen des ORF nach einer Gebührenrefundierung prinzipiell verstehe, muss nun klar sein, dass die Zeitungen und Magazine medienpolitisch an erster Stelle stehen müssen. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird die Presseförderung gekürzt, während die ORF-Gebühren zuletzt 2012 angehoben wurden."

Kralinger glaubt aber an eine "rasche Umsetzung nach den Wahlen", und dass Presseförderung und Gebührenrefundierung in einer "gemeinsamen Tranche" beschlossen werden. Das "Media-Fit-Paket", welches die Evaluierungsstudie zur Presseförderung empfiehlt, ließe sich etwa "mit wenigen politischen Handgriffen rasch umsetzen."

416 Journalisten zusätzlich im neuen KV

Der neue Kollektivvertrag, der ab 1. Juli in Kraft tritt, werde für die Verlage erst langfristig Kostendämpfungen bringen. "Der neue Kollektivvertrag bringt in erster Linie Fairness zwischen Online- und Printredaktionen. Im ersten Moment bringt der Kollektivvertrag für die VÖZ-Medien keine plötzliche Kostensenkung. Bei Medienhäusern mit großen Online-Redaktionen werden die Personalkosten wohl sogar steigen. Langfristig wird es aber Kostenreduktionen und ein wenig Entspannung geben. Das war ja auch das Ziel." Und Kralinger geht davon aus, dass alle VÖZ-Medien und deren Online-Dienste beim neuen KV mitmachen. "Insgesamt werden nach unseren Berechnungen 416 zusätzliche Journalisten in den neuen Kollektivvertrag aufgenommen. Das ist eine stolze Steigerung."

ORF-Signale für österreichische Lösung bei Paid Content

Zurückhaltend ist der VÖZ-Präsident und "Kurier"-Geschäftsführer bei der "Pay Wall"-Diskussion für Medien-Inhalte im Internet. "Paid-Content ist das entscheidende Zukunftsthema, aber wenn wir in Österreich Bezahlschranken einführen, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens müssen unsere Online-Plattformen unverwechselbaren Content liefern. Zweitens müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, was geschieht mit ORF.at. Die ORF-Plattform ist gebührenfinanziert, werbefinanziert und die größte Seite des Landes. Solange ORF.at frei zugänglich ist, wird keiner hergehen und auf seiner Online-Seite eine Bezahlschranke einführen. Es braucht sinnvolle Spielregeln, die es ermöglichen, dass sich ORF und Verlage im Web nicht gegenseitig kannibalisieren. Ich habe vom ORF aber Signale erhalten, dass darüber nachgedacht wird, sich an einer nationalen österreichischen Lösung zu beteiligen."

Informationsfreiheitsgesetz

Taten erwarten sich die Zeitungsverleger von der Politik auch in Sachen Informationsfreiheitsgesetz. Kralinger: "Der Status quo ist mehr als unbefriedigend und schon lange nicht mehr zeitgemäß. Geheimniskrämerei ist ein Nährboden für Misstrauen und Skepsis gegenüber öffentlichen Einrichtungen und politischen Entscheidungsträgern. Transparente Verwaltungsabläufe und gläserne politische Institutionen festigen das Vertrauen der Bürger in den Staat. Darüber hinaus würden sie die Kontrollfunktion der Medien entscheidend stärken. Leider ist die anfangs sehr engagiert geführte Debatte ein wenig ins Stottern geraten. Ich würde mir wünschen, dass es hier noch zu einer Einigung im Herbst vor der Nationalratswahl kommen würde. Man muss ja nicht jedes medienpolitische Vorhaben auf die kommende Legislaturperiode aufschieben." (APA, 19.6.2013)

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