Wie die Nase eines Mannes, so sein Johannes?

3. Juli 2013, 11:26
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Angeblich lassen sich über anatomische Merkmale Rückschlüsse auf Penislänge und Potenz ziehen - Stimmt das?

"Wie die Nase eines Mannes, so sein Johannes" - Bestimmten anatomischen Merkmalen wie Nasen- oder Handlänge wird gerne nachgesagt, dass sie Aufschluss auf die Ausstattung des männlichen Gemächts geben. Aber gibt es auch Beweise für einen Zusammenhang?

Kein eindeutiger Zusammenhang

Für die Nase stimmt das jedenfalls nicht, so die Gynäkologin und Sexualtherapeutin Alexandra Meixner. Weil sie in ihrer Arbeit als Leiterin einer First-Love-Ambulanz am Krankenhaus Freistadt immer auf große Unsicherheit und viele unbegründete Sorgen zum Thema Körper und Sexualität stieß, begann sie sich vor 12 Jahren mit dem Sex-Mythos zu beschäftigen und hält mittlerweile auch Kabarettprogramme zu diesem Thema ab.

Vor allem eben die Penislänge bereitet vielen Männern Sorgen. Meixner studierte die gesamte wissenschaftliche Literatur zum Thema und führte eigene Forschungen in ihrem Bekanntenkreis durch, beides brachte aber keinerlei Indizien für einen Zusammenhang.

Verhältnis Hand-Penis? 

Eine andere Parallele will die US-Autorin Lou Paget ("Die perfekte Liebhaberin") entdeckt haben. Sie behauptet, dass die Penislänge der Distanz vom Handgelenk zur Fingerspitze des Mittelfingers entspricht. Aber auch dafür gebe es laut Meixner keinen Beweis: "In der Gesamtrelation des Körpers mag es in einzelnen Fällen zwar ungefähr hinkommen, aber es gibt keinen Beleg für einen Zusammenhang", sagt die Sexualtherapeutin.

Bei den Befragungen im Bekanntenkreis kam sie zum Ergebnis, dass bei den meisten Männern der Penis deutlich kürzer war als die Hand. Auch die Statistik spricht gegen Pagets Behauptung: "In Deutschland beträgt die durchschnittliche Penislänge 14,5 Zentimeter, die Hände sind meistens länger. In Österreich ist es wohl ähnlich", so Meixner.

Große Verunsicherung

Sowohl in ihrer ärztlichen Tätigkeit als auch bei ihren Kabarettprogrammen: Immer wieder stellte Meixner fest, dass fast alle - Männer und Frauen - sehr über das eigene Aussehen verunsichert sind. "Männern bereitet vor allem die Länge, aber auch die Form ihres besten Stücks Sorgen. Steht er im erigierten Zustand nicht gerade nach oben, ist er vielleicht ein wenig verdreht? Solche Kleinigkeiten können für die Betroffenen enorm belastend sein", so Meixner.

Es sind immer dieselben Probleme, mit denen ihre Patienten und die Kabarettbesucher an sie herantreten. "Viele Pärchen fragen mich: 'Haben Sie bei uns im Schlafzimmer eine Kamera aufgestellt, oder woher wissen Sie von unserem Problem?" Auch wenn die Hintergründe meist individuell verschieden sind, so wäre es laut Meixner am wichtigsten, die Menschen wissen zu lassen, dass sie nicht alleine mit ihren Problemen und Sorgen sind und dass diese ganz normal sind.

Männer mit Glatze potenter?

Ein anderer populärer Mythos ist, dass Männer mit Glatze potenter als solche mit vollem Haarwuchs seien - auch das widerlegt Meixner: "Man sagt, dass Männer mit Glatze mehr Testosteron im Körper hätten. Das stimmt aber überhaupt nicht - die Glatze kommt dadurch zustande, dass die Haarfolikel im Alter empfindlicher auf das Testosteron reagieren", so Meixner.

Rückschlüsse auf Potenz oder Penisgröße könne man vom (nicht vorhandenen) Kopfhaar also keine ziehen. Dass glatzköpfige Männer als leidenschaftlicher gelten, liege vielmehr daran, dass die Glatze meist erst im fortgeschrittenen Alter entsteht und Sexualität dann generell intensiver gelebt werde - ob mit Glatze oder mit vollem Haar spielt allerdings keine Rolle. (Florian Bayer, 25.6.2013, derStandard.at)

  • "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Penislänge und anderen körperlichen Merkmalen", sagt die Gynäkologin und Sexualtherapeutin Alexandra Meixner.
    foto: ap/vincent beeckman

    "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Penislänge und anderen körperlichen Merkmalen", sagt die Gynäkologin und Sexualtherapeutin Alexandra Meixner.

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