Zypern braucht erneut Geld für Banken

19. Juni 2013, 15:43
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Brief aus Nikosia: Die zehn Milliarden der Europartner und des Währungsfonds reichen offenbar nicht aus

Nur wenige Monate nach der Bankenrettung für Zypern bittet die zypriotische Regierung erneut um Hilfe für die größte Bank des Landes. Wie das "Wall Street Journal" online berichtet, hat Präsident Nikos Anastasiadis einen Brief an die Vertreter der Eurozone geschrieben. Darin soll er nicht nur um mehr Hilfe bitten, sondern auch bemängeln, dass die Rettungsaktion vom April dieses Jahres "ohne sorgfältige Vorbereitung" erfolgt sei.

Die Bank of Cyprus brauche weitere Unterstützung, da sie von systemischer Bedeutung für das Bankensystem und die Wirtschaft des Landes sei. Anastasiadis kritisiert zudem die Kapitalverkehrskontrollen, die der Wirtschaft ebenfalls enorm geschadet hätten.

Mehr Geld

Zypern hat im April ein Hilfspaket in der Höhe von zehn Milliarden Euro erhalten. Geldgeber war die Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). Die restlichen 13 Milliarden Euro, die das Land benötigte, wollte Zypern selbst beisteuern.

Als Auflage für die Gelder der Troika musste Zypern seinen überdimensionierten und maroden Bankensektor radikal verkleinern. Dabei wurden auch Sparer mit einem Guthaben von mehr als 100.000 Euro zur Kasse gebeten - eine Premiere im europäischen Raum. Die zweitgrößte Bank des Landes, Laiki, wurde abgewickelt und mit der Bank of Cyprus zusammengelegt. Damit sitzt die Bank auch auf offenen Verbindlichkeiten der Laiki. Laut "Wall Street Journal" fordert Anastasiadis daher, zumindest darüber nachzudenken, die Fusion der Banken zu stoppen.

Taube Ohren

Aus der Europäischen Kommission gebe es eine Bestätigung für den Erhalt des Briefes, so die Zeitung. Die Sache könnte beim nächsten Treffen der Finanzminister der Eurozone am Donnerstag auf den Tisch kommen.

Derweil stößt Zypern allerdings mit der Bitte um günstigere Bedingungen auf taube Ohren. Das deutsche Finanzministerium reagierte am Mittwoch mit der Feststellung, "auf den ersten Blick" sei nicht erkennbar, warum das Hilfsprogramm geändert werden sollte. Auch Vertreter der Eurozone sehen keinen Anlass für eine Überarbeitung. (rom, derStandard.at, 19.6.2013)

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    Mehr Geld: Zypern bittet um mehr Unterstützung für seine Banken.

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