Alpine bekommt nicht noch mehr Geld

19. Juni 2013, 09:41
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Die Gesellschaft bekommt kein weiteres Geld von den Gläubigern, ihre Anleihen werden nicht mehr gehandelt. Nun wackeln 15.000 Jobs

Wien/Wals/Madrid - Lange hat der Salzburger Baukonzern Alpine gerungen - nun ist der Plan der außergerichtlichen Sanierung gescheitert. Die Gespräche mit den Gläubigern über ein Rettungspaket wurden abgebrochen, ein Insolvenzantrag wurde heute Mittwoch bereits gestellt. Die Geschäftsführung bereite "ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung vor und wird die Verfahrenseröffnung umgehend beantragen", hieß es. Auf Grundlage eines von Restrukturierungsberatern erstellten Konzeptes soll versucht werden, einen Teil des Konzerns und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu retten.

Der Handel mit den Unternehmensanleihen der Alpine Holding GmbH wurde am Mittwoch ausgesetzt. Die Alpine hat drei Unternehmensanleihen im Volumen von 290 Millionen Euro auf dem Markt. Die Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind mit 5,25 bzw. 6 Prozent hoch verzinst.

Suche nach 400 Millionen

"Trotz beträchtlicher Unterstützung der finanzierenden Banken und intensiven Bemühungen des Eigentümers ist es wider Erwarten nicht gelungen, die Alpine-Gruppe außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu sanieren", hieß es.

Zuvor war bereits durchgedrungen, dass der Baukonzern in Summe weitere 400 Millionen Euro von seinen Geldgebern brauche und es negative Signale von den spanischen Banken gebe. Die spanische Konzernmutter FCC (Formento de Construcciones y Contratas) unter der Führung von Esther Alcocer Koplowitz hat in den vergangenen sieben Jahren bereits mehr als 700 Millionen Euro in die Alpine gesteckt - inklusive Kaufpreis und Finanzspritzen. Obwohl die 1903 gegründete FCC selbst Finanzprobleme hat.

Derzeit hat der Baukonzern bei seinen rund 50 österreichischen und internationalen Gläubigerbanken Kredite von rund 450 Millionen Euro offen. Hinzu kommen Leistungsgarantien in nicht genannter Höhe, die hauptsächlich im Ausland ein Problem seien.

Die Republik Österreich - und damit der Steuerzahler - haftet zu 50 Prozent für Kredite in der Höhe von 300 Millionen Euro, hängt also mit 150 Millionen Euro drin.

7.500 Arbeitsplätze

Im Hintergrund laufen bereits die Vorbereitungen für eine Auffanggesellschaft für die gesunden Unternehmensteile - vor allem in Österreich - auf Hochtouren. Dadurch sollen die Baustellen in Österreich so gut wie möglich weitergeführt werden können.

Der zweitgrößte heimische Baukonzern (hinter der Strabag und vor der Porr) erzielte im Vorjahr mit rund 15.000 Mitarbeitern eine Bauleistung von 3,2 Milliarden Euro (2011: 3,62 Milliarden Euro) und erlitt dabei einen Verlust vor Steuern in der Höhe von 449,7 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2013 war das Ergebnis vor Steuern mit 90 Millionen Euro negativ und der Verlust damit fast doppelt so hoch wie im Sanierungsplan vorgesehen.

Mit dem Unternehmen verwoben sind weitere rund 7.500 Arbeitsplätze bei jenen 1.500 Subunternehmen und 1.500 Lieferanten, die mit der Alpine über 100.000 Euro jährlich abwickeln.

Tafelsilber nicht verkauft

Erst Anfang März hatten die Banken, wie berichtet, auf 150 Millionen Euro ihrer Schulden verzichtet und die spanische 100-Prozent- Eigentümerin FCC hatte eine Liquiditätsspritze von 250 Millionen Euro zugesagt. Nun wollte die Alpine - laut Eigenangaben "ein letztes Mal" - um Finanzhilfen anklopfen.

Grund für den erneut groben Anpassungsbedarf sei der im Restrukturierungsplan vorgesehene, aber noch nicht gelungene Verkauf von lukrativen Töchtern wie Alpine Energie, Hazet Bau und SUE (Special Underground Engineering), zu der u. a. die GPS Engineering gehört. Der Verkauf hätte heuer bereits rund 200 Millionen Euro einspielen sollen. Die Alpine habe für all ihre Töchter Interessenten, wolle sich aber im Preis nicht sehr drücken lassen.

Neue Risiken

"Wir haben den Business-Plan überprüft und sehen, dass wir das für Jahresende angepeilte Ziel nicht halten können", erklärte Alpine-Chef Arnold Schiefer. In Zahlen: Für heuer waren 80 bis 100 Millionen Euro Verlust vor Steuern vorgesehen. "Nach den jetzigen Schätzungen sind wir um mehr als 80 Millionen Euro vom Plan entfernt", räumte Schiefer ein. Die (schlechten) Ergebnisse kämen vor allem aus Südosteuropa und Deutschland.

Hintergrund der neuen Hiobsbotschaften: Die nochmalige Durchleuchtung der Bilanz 2012 dürfte weitere Risiken zutage befördert haben, die schon 2012 wirksam hätten sein müssen. "Ich möchte eine transparente Bilanz für 2012", sagte Schiefer, der erst seit 2. April auf seinem Posten ist.

Um an Geld zu kommen, wollte die Alpine auch ihre Investoren einbinden. Denn die Juristen des Baukonzerns prüfen, "inwieweit auch bei den Anleihegläubigern ein Beitrag zu holen ist oder nicht", kündigte Schiefer an.

Verdacht der Untreue

Ein Bankkredit wird derzeit auch von der Justiz geprüft. Die verstaatlichte Hypo Alpe Adria Bank hat der Alpine nämlich im September 2012 noch einen Überbrückungskredit von 25 Millionen Euro gewährt. Damals ging es der Gesellschaft schon schlecht - was ein anonymer Anzeiger zum Anlass nahm, eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt einzubringen.

Der Verdacht dahinter: Untreue. In der Anzeige ist die Rede von einer "Kreditvergabe an ein offenbar mit Liquiditätsproblemen ringendes Unternehmen", das zudem von "mangelhafter beziehungsweise zweifelhafter Bonität sei". Es sei davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt der Kreditvergabe keine ausreichenden Sicherheiten gegeben waren und klar sein musste, dass der Kredit nicht bedient werden könne.

Kredit für Kredit

In der Bank erklärt ein Sprecher zum einen, dass man diese Anzeige nicht kenne. Zum anderen sei der Kredit "nach allen Vorschriften und auf absolut sinnvolle Weise gegeben worden". Es habe sich um Geld für die Rekapitalisierung einer ausländischen Alpine-Tochter gehandelt, die wiederum einen wesentlich höheren Kredit bei einer Hypo-Tochter hatte. Mit anderen Worten: Dieser "Überbrückungskredit" soll zur Sicherung des noch viel höheren Kredits gedient haben.

Dass der Kredit damals auch noch verlängert worden sei, habe den Abmachungen mit den anderen Banken entsprochen. Eine Fälligstellung hätte die Sanierungsgespräche für die Alpine gefährdet. (red/APA, DER STANDARD, 19.6.2013)

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    FCC-Chefin Esther Alcocer Koplowitz, Enkelin des Firmengründers, konnte die Gläubiger nicht überzeugen. Sie wollte eine Einigung ohne erneuter FCC-Finanzspritze.

  • Ein weiterer Grund dafür, dass die Gläubiger den Stecker gezogen haben, liefert Alpine-Chef Arnold Schiefer: "Nach den jetzigen Schätzungen sind wir um mehr als 80 Millionen Euro vom Plan entfernt".
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    Ein weiterer Grund dafür, dass die Gläubiger den Stecker gezogen haben, liefert Alpine-Chef Arnold Schiefer: "Nach den jetzigen Schätzungen sind wir um mehr als 80 Millionen Euro vom Plan entfernt".

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