Steirische Forscher messen, wo Felssturz-Gefahr droht

19. Juni 2013, 11:51
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Wichtige Vorzeichen sind mit bloßem Auge oft nicht wahrnehmbar

Graz - Felsstürze wie jener auf der Felbertrauernstraße im vergangenen Mai, bei dem rund 35.000 Kubikmeter Geröll abgegangen sind, zählen weltweit zu den häufigsten Naturgefahren. Die steirische Forschungsgesellschaft Joanneum Research entwickelt im europäischen Verbund ein komplexes Messsystem samt Software, die es ermöglichen sollen, dass unzugängliche, potenzielle Gefahrenzonen besser überwacht werden können.

Bevor ein Hangrutsch oder ein Felssturz abgehen, finden im allgemeinen Vorbewegungen statt. Diese sind jedoch oft so gering, dass sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind. Sie wären aber wesentliche Vorzeichen für ein möglicherweise katastrophales Ereignis. Wissenschafter und Forscher von sieben europäischen Forschungsinstitutionen und Unternehmen arbeiten im Rahmen des DE-MONTES-Projektes ("Deformation Monitoring by High Resolution Terrestrial Long Range Sensing") an der Entwicklung eines hoch-automatisierten erdgebundenen Langstreckensensorsystems, das die Risikozonen wortwörtlich im Auge behalten soll.

Die Herausforderung

Bei der Überwachung von schwer oder gar nicht zugänglichen heiklen Felszonen sind terrestrische Laserscanner-Konzepte bisher nur begrenzt einsetzbar, weil die maximale Entfernung der Messpunkte auf ein bis zwei Kilometer limitiert ist. Auch können sie einzelne Geländepunkte nicht in der geforderten hohen Auflösung verfolgen. Projektkoordinator Gerhard Paar, Leiter der Forschungsgruppe Bildanalyse und Messsysteme der Joanneum Research, schildert die Problematik: "Es müssen Sensoren und Datenprozessierungs-Mechanismen zum Einsatz kommen, die natürliche Referenzpunkte in Entfernung zuverlässig und wiederholbar registrieren. Nur so können wir unzugängliche Regionen dreidimensional erfassen und überwachen."

Das im Rahmen des europäischen Forschungsverbundes eingesetzte System beinhaltet Langstreckenlaserscanner, die große Regionen mit etwas geringerer Genauigkeit scannen können. Dazu kommen zwei sogenannte bildgebende Tachymeter, die horizontale und vertikale Entfernungen mit Reichweiten von mehreren tausend Metern sowie hohen Auflösungen und Messgenauigkeit im Millimeterbereich gleichzeitig messen. Mit ihnen sollen in Pilot-Zonen Deformationsvergleiche über mehrere Messperioden hinweg angestellt werden. Durch die Veränderungen der generierten Geländemodelle über längere Zeiträume wollen die Experten letztlich Prognosen über zukünftige Geländeveränderungen ableiten.

Das System werde noch bis Ende 2013 weiterentwickelt. Anschließend wollen die Projektpartner aus Norwegen, Österreich, Zypern und Tschechien die Ergebnisse in die jeweiligen Überwachsungs- und Frühwarnsysteme ihrer Länder integrieren. (APA/red, derStandard.at, 19. 6. 2013)

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