USA wollen direkt mit Taliban verhandeln

18. Juni 2013, 22:06
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Norwegen soll vermittelt haben - Gespräche über Ende des Konflikts in Afghanistan sollen in wenigen Tagen beginnen

Washington/Kabul/Brüssel - Die USA und die radikalislamischen Taliban wollen direkte Verhandlungen über ein Ende des Konflikts in Afghanistan führen. Die Gespräche sollten bereits in wenigen Tagen im Emirat Katar beginnen, gab das Weiße Haus am Dienstag bekannt.

Die USA würden den Aufständischen allerdings Bedingungen stellen. So müssten die Taliban sich von Al-Kaida lösen und der Gewalt abschwören. Außerdem müssten sie die afghanische Verfassung akzeptieren - einschließlich der garantierten Rechte für Frauen und Minderheiten. Die afghanischen Sicherheitskräfte übernahmen am Dienstag offiziell die Verantwortung für die Sicherheit in ganz Afghanistan.

Taliban wollen "unabhängiges und islamisches System" stärken

Die Taliban gaben am Dienstag die Eröffnung eines Verbindungsbüros in Katar bekannt. Sie erklärten, sie unterstützten eine friedliche und politische Lösung in Afghanistan. Ziele seien "das Ende der Invasion in Afghanistan und die Stärkung eines unabhängigen und islamischen Systems" im Land. Der Taliban-Vertreter Muhammad Naim sagte, das "Islamische Emirat Afghanistans" wolle Gespräche mit den "Ländern der Welt" beginnen. Auch "mit Afghanen" sollten Gespräche geführt werden, sagte Naim bei einer von Al Jazeera übertragenen Pressekonferenz in Doha.

Taliban-Besuch in norwegischer Kirche

Norwegen hat offenbar eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung der Verhandlungen gespielt. Wie am Dienstag bekannt wurde, waren Taliban-Vertreter zu Verhandlungen in Norwegen. Außenminister Espen Barth Eide bestätigte dem Fernsehsender NRK: "Wir haben eine Schlüsselrolle gespielt." Wie häufig die Taliban-Delegation in Oslo war, wollte er nicht sagen. "Das war ein streng geheimer Prozess, in den wir involviert waren, aber nun haben wir das Gefühl, wir können uns zurückziehen."

Die norwegische Boulevardzeitung "VG" berichtete, die Taliban hätten eine protestantische Kirche in Oslo besucht. Eineinhalb Stunden hätten sie sich über den Gottesdienst und das Verhältnis von Staat und Kirche unterhalten, bestätigte der dortige Pfarrer der Zeitung. Norwegen hat schon häufiger die Rolle eines Friedensvermittlers in der Welt übernommen.

USA sehen "wichtigen ersten Schritt"

Die US-Regierung begrüßte die Erklärungen der Taliban zur Gesprächsbereitschaft. "Sie sind ein wichtiger erster Schritt zur Versöhnung", sagte ein nicht genannter hochrangiger Regierungsvertreter. "Der Prozess nach 30 Jahren bewaffneten Konflikts in Afghanistan wird aufwendig, lang und ungemütlich werden - dennoch ist es ein wichtiger erster Schritt." US-Außenminister John Kerry begrüßte die Pläne ebenfalls. "Das sind gute Nachrichten", sagte er am Dienstag, "wir sind sehr froh über die Ereignisse."

Ungewissheit über Verhandlungspartner

Die Taliban ließen offen, ob sie auch mit der afghanischen Regierung von Präsident Hamid Karzai sprechen wollen. Bisher lehnten sie das ab, weil sie Karzai für einen Handlanger der USA halten. Aus Washington hieß es dazu, die USA wollten zwar direkt an den Gesprächen teilnehmen, der Kern müsse aber "unter den Afghanen selbst bewältigt" werden. Das sei bei der geringen Vertrauensbasis nicht einfach. "Vorläufige Gespräche" mit der US-Regierung hatten die Taliban im März vergangenen Jahres ausgesetzt.

Karzai hatte wenige Stunden zuvor angekündigt, eine Delegation zu Friedensgesprächen mit den Taliban nach Katar zu entsenden. Er hoffe, dass solche Gespräche den "Anfang für einen Übergang zum Frieden" bilden könnten, sagte Karzai in Kabul. "Die Angehörigen des Hohen Friedensrates werden bald für Friedensgespräche mit den Taliban nach Katar reisen." (APA, 18.6.2013)

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    Mitglieder der Taliban legen ihre Waffen im Zuge eines Amnestieprogramms nieder.

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    Die Taliban eröffneten am Dienstag ein neues Büro in Katar.

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