Sicherheitsübergabe in Afghanistan: Die letzte Phase

Kommentar18. Juni 2013, 19:27
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Karsais Verhandlungen mit den Taliban vermitteln eindrücklich das Scheitern der USA

Für die Nato- und US-Truppen in Afghanistan beginnt die letzte Phase des Krieges, der nunmehr elfeinhalb Jahre dauert: Die afghanische Armee muss alle militärischen Aufgaben allein übernehmen, von den Ausländern - die noch in Kampfstärke präsent sind - gibt es nur noch Training und aktive Hilfe in Ausnahmefällen. Das Prinzip ist einfach: Ab jetzt sollen die afghanischen Sicherheitskräfte nichts mehr bekommen, was sie nach dem Abzug von USA und Nato nicht auch haben werden. Das betrifft vor allem Unterstützung aus der Luft.

Parallel dazu signalisiert Washington, dass auch das Geld nicht mehr ungehindert sprudeln wird: Für die offizielle US-Hilfe - wie man weiß, gibt es da ja auch noch die CIA-Bargeldkoffer - will man nun genaue Abrechnungen sehen. 75 Millionen US-Dollar sind soeben blockiert worden, weil Kabul nicht glaubhaft machen kann, dass sie nicht in die üblichen Korruptionskanäle fließen werden.

Die dritte Entwicklung geht dahin, dass der afghanische Präsident Hamid Karsai, mit dem Segen der USA, nun offensiv in Verhandlungen mit den Taliban eintritt. Was angesichts der Lage unvermeidlich scheint, vermittelt eindrücklich das Scheitern der USA in Afghanistan. Gleichzeitig könnte es neue Fronten eröffnen. General Rashid Dostum, ein Usbeke, scheint im Begriff zu sein, die nichtpaschtunischen Kräfte gegen die paschtunische Übermacht - zu der Karsai, aber auch die Taliban gehören - zu mobilisieren. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 19.6.2013)

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