Aus tierischen Abfällen wird Biokunststoff hergestellt

22. Juni 2013, 17:58
48 Postings

Im Herbst soll in Österreich eine Pilotanlage in Betrieb gehen

Graz - In Europas Schlachtindustrie und Tierkörperverwertungsanstalten fallen jährlich rund 500.000 Tonnen tierischer Fette an, die derzeit großteils als Abfall verbrannt werden. Diese Ressource könnte - wie berichtet - für die Herstellung von Biokunststoff genutzt werden. Nun ist es soweit: Eine Pilotanlage soll im Herbst in Österreich in Betrieb gehen.

EU-Projekt "Animpol"

Am Anfang des EU-Projekts "Animpol" unter Grazer Leitung stand die Frage, welche Rohstoffe, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen und nicht auf fossilen Brennstoffen aufbauen,  für die Produktion von Biokunststoffen eingesetzt werden könnten. An der Lösung dieser Frage arbeiten seit 2010 ForscherInnen aus elf europäischen Einrichtungen. Sie haben sich auf die Verwertung von Schlachtabfällen konzentriert: "Die Natur stellt Polymere wie Lipide und Proteine kostenlos her - warum sollten wir sie verbrennen?", so Projektleiter Martin Koller vom Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU Graz.

Kunststoff aus Schlachtabfall

Aus den Tierabfällen wird mit Hilfe von Bakterien der Ausgangsstoff für die Bio-Polymere hergestellt, aus denen dann die Polyhydroxyalkanoat-(PHA)-Biokunststoffe resultieren. Während aus den ungesättigten Fettsäuren Biodiesel hergestellt werden kann, lassen sich die gesättigten Fettsäuren biotechnologisch weiter zu PHA verarbeiten, so Koller. Biokunststoffe sind biologisch abbaubar und mit anderen biologischen Stoffen kompatibel, was Anwendungsmöglichkeiten im medizinischen Bereich eröffnet, zum Beispiel in Form von Implantaten oder als Nahtmaterial.

Aus einer Tonne tierischer Lipide können 0,7 Tonnen Biokunststoff hergestellt werden. Für den Einsatz des Kunststoffs als Verpackungsmaterial gibt es nun einen Interessenten, mit dem die geplante Anlage im Herbst in Betrieb gehen soll: "Wir denken vorerst an eine Produktion im Kubikmetermaßstab", so Koller. Die dafür benötigten Tierabfälle belaufen sich auf "mehrere hundert Kilo pro Tag". (APA/red, derStandard.at, 22.6.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Aus den tierischen Abfällen aus Schlachthäusern lässt sich Biokunststoff herstellen - im EU-Projekt "Animpol" wurde das Wie erforscht. Im Herbst soll eine Pilotanlage in Österreich in Betrieb gehen.

Share if you care.