Robert Dornhelm mit Wiens Goldenem Ehrenzeichen geehrt

18. Juni 2013, 13:26
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Laudator Ioan Holender zur Dornhelm-Karriere: "Nichts war wirklich schlecht" - Dornhelm: "Bin nur so gut wie meine Mitarbeiter"

Wien - Er gehört fraglos zu den erfolgreichsten Österreich-Exporten im internationalen Film- und Fernsehmarkt und positioniert sich im Juli bei den Opernfestspielen in St. Margarethen erstmals auch als Opernregisseur: Robert Dornhelm. Am Dienstag wurde der zwischen Österreich und den USA Pendelnde im Rathaus mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet. "Sein bisheriges Lebenswerk ist wahrlich ein beeindruckendes", konzedierte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Die Quantität des Oeuvres versetze ihn neben der Qualität immer wieder in Verwunderung: "Das riesige Pensum, das er vollbringt, ist immer wieder erstaunlich."

Charakteristische Arbeiten über Kennedy oder Giuliani

Als Laudator wurde Cousin und Ex-Staatsopernimpresario Ioan Holender verpflichtet, der wie Dornhelm im rumänischen Timisoara geboren wurde und einen chronologischen Ritt durch die Biografie des Künstlers unternahm. Holender erinnerte sich an die gemeinsamen Jahre unter der beginnenden Diktatur.

Für den Regisseur Dornhelm gelte ein Aphorismus über Sänger, den man in der Oper stets verwende: "Es gibt keine Fächer, und ein guter Sänger kann alles singen - und das ist auch beim Robert ein bisschen so." Er habe schließlich ein erstaunlich breites Themenspektrum im Laufe seines Lebens abgedeckt: "Nichts war wirklich schlecht. Alles hatte ein Niveau, das er nicht unterschritten hat."

Charakteristisch seien etwa seine Arbeiten über Robert Kennedy oder Rudolph Giuliani - "heikle und gefährliche Themen, die Robert mit einem politischen Willen gestaltet hat", so Holender. Ikonisierung oder Verfluchung seien seine Sache nicht. Er freue sich nun jedenfalls, dass Dornhelm im Juli seine erste Opernregie in St. Margarethen präsentieren könne: "Ich hätte ihn nicht fragen können, sonst hätte man mir Nepotismus vorgeworfen." In jedem Falle gelte für ihn, so der einstige Staatsoperndirektor Holender an seinen Cousin Dornhelm: "Ich freue mich, wenn Du bekommst, was Du verdient hast."

Oscar-Nominierung1977

Der Geehrte selbst zeigte sich trotz der verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ioan Holender kurz angebunden und bescheiden: "Ich bin nur so gut wie meine Mitarbeiter."

Geboren wurde Dornhelm am 17. Dezember 1947 in Timisoara (Rumänien) und emigrierte als 13-Jähriger mit seinen Eltern wegen des Ceausescu-Regimes nach Wien, wo er später auch die Filmakademie besuchte. Dieses Studium gab Dornhelm jedoch auf, um sich mit Leidenschaft dem Dokumentarfilm zu widmen. Im Auftrag des ORF entstanden Künstlerporträts und sozialkritische Dokumentationen.

1977, im Jahr seiner Oscar-Nominierung für den Ballettfilm "Kinder der Theaterstraße" mit Grace Kelly, ging er nach Los Angeles. 1988 drehte Dornhelm mit Sally Kirkland, Keith Carradine, Tom Waits, Bill Pullman, Kathleen York und Jeff Bridges den Western "Cold Feeds", den er selbst einmal als "eine Betrachtung des amerikanischen Westens von außen" bezeichnete.

1990 kam der Regisseur nach Europa, um den Semidokumentarfilm "Requiem für Dominique" zu realisieren. Darin versuchte er eine filmische Rekonstruktion der rumänischen Massenunruhen im Dezember 1989. Felix Mitterer spielte den angeblichen Schlächter von Temesvar, den der Film rehabilitiert. US-Kritiker reihten das Plädoyer gegen den Missbrauch von Gewalt unter die "10 besten Filme des Jahres".

2001 einen Emmy für "Anne Frank"

Im neuen Jahrtausend gab es 2001 einen Emmy für "Anne Frank" als beste TV-Kurzserie und erntete Dornhelm Lob für seine "Spartacus"-Fernsehadaption sowie für "Rudy: The Rudy Giuliani Story" über den früheren New Yorker Bürgermeister. Einem anderen Rudolf, nämlich dem österreichischen Kronprinzen, widmete er sich mit einem TV-Zweiteiler, für den er 2006 eine Romy für die beste Regie erhielt. Mit "Die zehn Gebote" war Dornhelm im gleichen Jahr ohne Erfolg für einen Emmy nominiert. 2008 realisierte er dann den Opernfilm "La Boheme" mit Anna Netrebko und Rolando Villazon, wobei er die Puccini-Oper am 10. Juli bei den Opernfestspielen St. Margarethen inszenieren wird.

Zuletzt fand Dornhelm ansonsten wieder zu den Porträtdokus zurück - sei es über Udo Proksch in "Out of Control" oder über Herbert von Karajan anlässlich dessen 100. Geburtstags. Der Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst lebt in seiner Residenz in Malibu. Dort empfängt er gerne Besuch, wie er nicht müde wird zu erwähnen: "Das Haus an der Westküste steht immer weit offen." (APA, 18.6.2013)

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    Regisseur Robert Dornhelm nahm am Dienstag das "Goldene Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien" in Empfang.

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