Neues Buch: Radeln mit Platon und Nietzsche

Rezension13. August 2013, 19:32
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Die Philosophie scheitert vor dem wahrhaft Göttlichen - Zumindest in "Die Philosophie des Radfahrens" scheitert sie gerne daran

"Wir sind aufgestiegen, haben den Lenker ergriffen, sind in die Pedale getreten und haben eine fremde Welt betreten ..." Wer bei solchen Sätzen Sehnsucht verspürt, trifft in dem Buch "Die Philosophie des Radfahrens" von Jesus Ilundáin-Agurruza, Michael W. Austin und Peter Reichenbach auf Gleichgesinnte.

Die Autoren, mehrheitlich Philosophen, erklären das Fahrrad in 15 persönlichen Geschichten für einen Moment zum Mittelpunkt der Erde. Manche schießen dabei etwas übers Ziel hinaus. Schlimm ist das nicht. Die meisten Kapitel unterhalten und regen zum Nachdenken an.

Am Anfang seiner Geschichte, betrug Steven D. Hales' längste Strecke auf dem Fahrrad 48 Kilometer – an ihrem Ende knapp 720 Kilometer. Dazwischen liegen Schweiß, Schmerzen und jede Menge Philosophen. In kleinen Episoden beschreibt der Philosophieprofessor aus England seinen langen Aufstieg, vom Novizen zum Meister. Unterstützt wird er dabei von Platon, Nietzsche, Humes und Kierkegaard. Mit ihrer Hilfe entwickelt er schließlich seine ganz eigene Philosophie - die Philosophie des Radfahrens.

Den eigenen Zweifeln trotzen und Wahrheit gewinnen

Auch die anderen Autoren des Buches finden ihre eigene Weisheit in Auseinandersetzung mit dem Fahrrad. Robert H. Haraldsson, Philosophieprofessor in Island, entzog sich lange Zeit dem harschen Winter, indem er mit dem Auto zur Arbeit fuhr. Seit seinem Wechsel aufs Fahrrad trotzt er nicht nur den niedrigen Temperaturen, sondern auch dem anfänglichen Spott seiner Kollegen und, viel mehr, seinen eigenen Zweifeln.

Die Radsportlerin und Philosophin Heather L. Reid, beschreibt in dem Kapitel "Mein Leben als Philosophin auf zwei Rädern", wie sie im Radsport gegen gedopten Konkurrentinnen scheiterte und dadurch etwas wertvolles gewann: ein Stück Wahrheit. "An der Startlinie sind wir alle Philosophen", sagt sie.

Alle Autoren, ob Hobbyfahrer oder Radprofis, sind auf der Suche nach Wahrheit. Indem sie auf dem Fahrrad Hindernisse und Zweifel überwinden, kommen sie ihr und sich etwas näher. Ihre Erfahrungen schildern sie in "Die Philosophie des Radfahrens". Manchmal verlieren sie sich dabei ein bisschen in ihrer Begeisterung. Etwa: "Wo auch immer sich ein Körper auf zwei Rädern bewegt entsteht ein neues Individuum. Und die Übung bringt es zur Perfektion. ...  Das Fahrrad ist ein Stück Lowtech, ein fast göttlicher Inbegriff von Nachhaltigkeit..." Doch wer die Weisheit liebt und auch noch Fahrräder mag, kann darüber hinwegsehen. (Michel Mehle, derStandard, 13.8.2013)

Die Philosophie des Radfahrens
Mairisch Verlag
208 Seiten
18,90 Euro

  • Selten hat man Philosophen so begeistert erlebt wie in diesem Buch. Die Geschichten erzählen vom Fahrrad - und gelten für die ganze Welt.

    Selten hat man Philosophen so begeistert erlebt wie in diesem Buch. Die Geschichten erzählen vom Fahrrad - und gelten für die ganze Welt.

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