Erdogan-Gegner bei stillem Protest Taksim-Platz festgenommen

18. Juni 2013, 09:18
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Erneut Tränengas-Einsatz gegen Demonstranten in Istanbul - Zusammenstöße mit der Polizei in Ankara

Istanbul - Nach wochenlangen Auseinandersetzungen zwischen regierungskritischen Demonstranten und der türkischen Polizei ist die Nacht zum Dienstag in Istanbul vergleichsweise ruhig verlaufen. Wie Aktivisten über soziale Netzwerke mitteilten, gab es auf dem zentralen Taksim-Platz lediglich Festnahmen, als sich Dutzende Gegner der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan dem stillen Protest eines einzelnen Demonstranten anschlossen.

Andernorts in Istanbul habe die Polizei erneut Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt, hieß es. Auch aus der Hauptstadt Ankara wurden wieder Zusammenstöße gemeldet.

Stiller Protest auf Taksim-Platz

Die Berichte über den stillen Protest des stehenden Mannes (türkisch: duran adam), der stundenlang auf dem Taksim-Platz verharrt und auf ein Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk gestarrt haben soll, hatten sich über Twitter unter dem Hashtag #duranadam verbreitet. Hunderte Nachahmer solidarisieren sich weltweit mit dem stillen Protest. Als sich am Taksim-Platz andere Demonstranten dieser Form des Protests anschließen wollten, seien sie von der Polizei abgeführt worden, meldeten Aktivisten. Es sei aber alles friedlich geblieben.

Schon bei Einbruch der Dunkelheit hatten nur noch einige Dutzend vorwiegend junge Menschen am Rand des Platzes demonstriert. Sie skandierten Parolen, sangen und tanzten, wie Augenzeugen berichteten. Polizisten hatten Gasmasken und Helme abgesetzt und bildeten keine Blockadereihen mehr. Der Taksim-Platz selbst war für Fußgänger und den Verkehr offen.

Mit Einsatz der Armee gedroht

Am Montag hatte die türkische Regierung erstmals mit einem Einsatz der Armee gegen die Protestbewegung gedroht. Falls es nötig sei, würden auch die Streitkräfte eingreifen, sagte der stellvertretende Regierungschef Bülent Arinc. "Die Polizei ist da. Wenn das nicht reicht, die Gendarmerie. Wenn das nicht reicht, die türkischen Streitkräfte", sagte er am 18. Tag der Proteste. Die Regierung werde alles unternehmen, um das Gesetz durchzusetzen.

Angesicht der Drohung mit dem Militär forderte die deutsche Grünen-Chefin Claudia Roth klare Worte der NATO. "Das Militärbündnis muss politisch Einfluss nehmen und deutlich machen, dass es nicht akzeptiert, wenn die türkische Regierung mit der Armee droht und brutal mit den Sicherheitsbehörden vorgeht", sagte Roth der "Saarbrücker Zeitung". Schließlich sei die Türkei NATO-Mitglied.

Die landesweite Protestwelle hatte sich an der brutalen Räumung eines Protestlagers im Gezi-Park in unmittelbarer Nachbarschaft des Taksim-Platzes entzündet, das am Wochenende zum zweiten Mal geräumt wurde. Die Regierung plant dort den Nachbau einer osmanischen Kaserne mit Wohnungen, Geschäften oder einem Museum. Inzwischen richten sich die Demonstrationen aber vor allem gegen den autoritären Regierungsstil Erdogans. (APA, 18.6.2013)

http://www.youtube.com/watch?v=5LEZrcBdcZg

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    Stiller Protest in der Nacht auf Dienstag am Taksim-Platz in Istanbul. Demonstranten, die sich anschließen wollten, wurden abgeführt.

    Der stehende Mann auf youtube

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