Island eröffnete die Walfangsaison

17. Juni 2013, 21:31
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Laut selbst gesetzter Jagd-Quote dürfen 184 Finnwale getötet werden

Reykjavik - Island hat am Wochenende die Walfangsaison eröffnet. Der einzige aktive Walfangunternehmer des Landes, Kristjan Loftsson, bestätigte am Montag im isländischen Fernsehen, dass mit Hvalur 8 and 9 zwei seiner Walfang-Schiffe am Sonntagabend ausgelaufen sind. Auf ihrer Abschussliste stehen Finnwale, die zweitgrößte Tierart auf der Erde. Laut Jagd-Quote, die sich Island selbst gesetzt hat, dürfen 184 Finnwale getötet werden. Diese Tierart wird von der IUCN als "bedroht" gelistet.

Forderung nach Jagdende

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife forderte die neue isländische Regierung auf, die Jagd umgehend zu beenden. "Finnwale sind bedroht - und dennoch wird ihr Fleisch in Japan verramscht oder gar weggeworfen", sagte die Biologin Sandra Altherr. In den vergangenen beiden Jahren hatte Loftsson die Jagd vorzeitig gestoppt. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sei der japanische Markt zusammengebrochen, die Geschäftsräume seiner japanischen Partner zerstört worden, erklärte Loftsson damals in einem Zeitungsinterview.

Pro Wildlife hingegen zeigt sich überzeugt, dass die Nachfrage nach Walfleisch zurückgeht. "Auch in Japan wird immer weniger Walfleisch gegessen", sagte Sandra Altherr. "Die Kühlhäuser sind voll." Im letzten Jahr sei das unverkäufliche Fleisch der Meeresgiganten schließlich zu Hundefutter verarbeitet worden. Sie wirft dem isländischen Unternehmer vor, nur deshalb auf Waljagd zu gehen, weil er seine Quote noch nicht erfüllt habe. Sie ist sicher, dass auch dieses Fleisch in den Kühlhäusern landet. Loftsson ist anderer Meinung: "Es gibt 130 Millionen Japaner, da mache ich mir keine Sorgen."

Festhalten am Walfang

Island hält am Walfang fest und beruft sich dabei auf die "Traditionen" des Landes. Die neue Regierung hat die Gespräche mit der EU auf Eis gelegt und denkt eher über eine Ausweitung der Fangzonen als über eine Einschränkung des Walfangs nach. Viele Isländer sprechen sich aus ökonomischen Gründen gegen den Walfang aus - sie fürchten, dass dies dem Tourismus schadet, starten doch Whale-Watching-Boote von Reykjavik aus. Die Walfänger hingegen protestieren gegen neue Bestimmungen, wonach sie in Gewässern mit Whale-Watching nicht jagen dürfen - mit der Begründung, dass es die beute-reichsten Gewässer seien.

Walfangverbot

Der kommerzielle Walfang ist eigentlich seit 1986 weltweit per Moratorium verboten. In der Praxis gibt es allerdings Schlupflöcher. Für Norwegen und Island ist das Übereinkommen nicht bindend, weil die Länder Einspruch beziehungsweise Vorbehalt erhoben haben. Japan hingegen deklariert seinen Walfang als wissenschaftliche Forschung. In Grönland dürfen die Ureinwohner per Sondergenehmigung für den Eigenbedarf auf Walfang gehen. (APA/red, derStandard.at, 17.6.2013)

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