Menschenmassen werden durch die Messe geschleust

17. Juni 2013, 20:56
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Das Lenken von Menschenströmen wird mit 2.500 Testpersonen untersucht

Düsseldorf - Um die gefährliche Eigendynamik großer Menschenansammlungen besser zu verstehen, startet das Forschungszentrum Jülich in Deutschland am Mittwoch ein ungewöhnliches Experiment: Auf dem Gelände der Düsseldorfer Messe zeichnen Forscher an vier aufeinander folgenden Tagen die Bewegungen von bis zu 1.300 Testteilnehmern auf.

Ziel ist, die Sicherheit bei Großveranstaltungen zu erhöhen - noch heute ist bei Veranstaltungen die Furcht vor einer Katastrophe wie bei der Duisburger Loveparade allgegenwärtig, bei der vor knapp drei Jahren im Gedränge 21 Menschen starben.

Vom Stau in gefährliches Gedränge

Insgesamt wirken bis Samstag 2.500 Menschen an den Experimenten mit. Die Teilnehmer werden nach Angaben der Wissenschafter verschiedene Wege abgehen und typische Szenarien nachstellen - beispielsweise das Gedränge an den Zu- und Ausgängen. Die Forscher wollen auf diese Weise unter anderem herausfinden, wie ein Fußgängerstau entsteht und wann ein solcher Stau in ein gefährliches Gedränge umschlägt.

Davon wiederum erhoffen sich die Forscher Aufschlüsse, wie die Menschenströme sicherer gelenkt werden können, etwa durch gezielte Anweisungen, Geländer oder Absperrungen. Unterstützt werden die Jülicher Wissenschafter vom Institut für Medienforschung der Universität Siegen, denn auch die Kommunikation in der Menschenmenge wird bei den Untersuchungen berücksichtigt.

Bausteine für ortsübergreifende Sicherheitsstrategien

Die Düsseldorfer Experimente sind Teil des Projektes "Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen", das vom deutschen Forschungsministerium mit 5,5 Millionen Euro gefördert wird. In diesem Projekt erarbeiten 17 Partner aus Forschung und Industrie sowie Feuerwehr und Polizei umfassende Konzepte für das Sicherheitsmanagement von Großveranstaltungen. So sollen Bausteine für ortsübergreifende Sicherheitsstrategien entwickelt werden, die etwa die Ausbildung der Fachkräfte oder die Ausstattung des Veranstaltungsortes umfassen.

Aufgabe des "Jülich Supercomputing Centre", das mit JUQUEEN über Europas schnellsten Supercomputer verfügt, ist dabei die Entwicklung und Verbesserung von Modellen, mit denen in Computersimulationen Szenarien durchgespielt und Unfälle vorausgesehen werden können. Mit Rechner. (APA/red, derStandard.at, 17.6.2013)

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