Wall Street baut neue riskante Deals

17. Juni 2013, 18:12
14 Postings

Komplexe strukturierte Finanz-Produkte werden wieder verstärkt aufgelegt. Investoren suchen angesichts niedriger Zinsen mehr Rendite und damit Risiko

Komplexe strukturierte Finanzprodukte werden wieder verstärkt aufgelegt, weil die Investoren angesichts niedriger Zinsen mehr Rendite und damit Risiko suchen. Doch nicht alle Papiere finden bei Anlegern Absatz.

New York / Wien – Der Risikoappetit ist zurück. Hochkomplexe Wetten, von Investmentbanken ob der hohen Provisionen strukturiert, von Investoren ob großer Rendite-Hoffnung gekauft, sind wieder in Mode. Daten von Dealogic, die dem Standard vorliegen, zeigen, dass seit Jahresbeginn so viele komplexe Kreditderivate wie seit 2008 nicht mehr ausgegeben wurden. 16,2 Milliarden Dollar an CDOs (Collateralized Debt Obligations) wurden begeben: tranchierte Finanzprodukte, die aus besicherten Forderungen bestehen. Damit erlebt der Markt für exotische Produkte eine Renaissance. 2010 und 2011 hat es fast keine Neuemissionen gegeben.

Allerdings hat sich die exotische Ecke der Finanzwelt noch nicht gänzlich vom Schock der Krise erholt. Im Boomjahr 2007 wurden noch fast zehnmal so viele CDO-Deals abgeschlossen. Nun beginnen US-Banken wie Citi­group neue Produkte zu lancieren. Dabei steht vor allem das eigene Kapital im Vordergrund. Der Bankengigant Citi etwa hat im März eine besonders riskante Tranche an Kreditrisiken aus einem Portfolio mit Schiffskrediten an Finanzinvestoren verkauft. Das Kalkül: ist das Risiko an außenstehende Anleger verkauft, muss die Bank weniger Kapital für die Schiffskredite vorstrecken. Dafür kann sie an andere Stelle ihre Geschäftsaktivität erhöhen und etwa mehr Immobilienkredite vergeben.

Allerdings haben zwei andere US-Banken zuletzt den Bogen bei den strukturierten Produkten überspannt. JPMorgan und Morgan Stanley wollten in den vergangenen Tagen synthetische CDOs an Investoren bringen. Dabei verkaufen die Banken nicht etwa gebündelte Kredite an Anleger, sondern lediglich Derivate. In der Krise haben sich synthetische Produkte als besonders riskant erwiesen. Allerdings mussten die beiden US-Geldhäuser den Verkauf der Produkte mangels Anlegerinteresse absagen. Doch am mangelnden Risikoappetit lag es nicht, berichtet die Financial Times. Pikanterweise hat es zwar genügend Nachfrage für die riskantesten Tranchen der CDOs gegeben, doch die Papiere mit besserer Bonität fanden nicht genug Absatz, weil dort auch die Renditen niedriger sind.

Dazu kommt, dass Abnehmer, die in der Vergangenheit die relativ sicheren Papiere ("senior tranche") gekauft haben, heute aus dem Markt verschwunden sind. Versicherungskonzerne wie AIG oder Anleihenversicherer hatten die Papiere vor der Krise erworben, sind aber im Zuge in schwere wirtschaftliche Probleme geschlittert. Aktuell tummeln sich vor allem Hedgefonds und andere spekulative Anleger auf dem Markt, die allerdings höhere Renditen von ihren Investitionen erwarten und daher in die riskanteren Teile der strukturierten Produkte investieren.

Zurückhaltung in Europa

In Europa, traditionell ein Nebenschauplatz bei der Entwicklung von verbrieften Strukturen, hat der Aufschwung bei den komplexen Kreditprodukten einen anderen Grund. Hier tummeln sich eine Reihe von Fonds, die in verbriefte Kredit-Strukturen (CLOs), investieren. Weil Banken in der Eurozone stärker als in den USA ihr Kreditportfolio abbauen, kommen Finanzinvestoren wie Carlyle oder Blackstone als Investoren für die Kredite in Frage. (sulu, DER STANDARD, 18.6.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Richtung ist dieselbe. Wie vor der Kreditkrise 2007 verbriefen Investmentbanken Kredite zu komplexen Strukturen. Die Investoren lechzen nach Rendite und greifen daher zu exotischen Papieren.

Share if you care.