Frankreich kontrolliert Managergagen via Kodex

17. Juni 2013, 18:02
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In Frankreich können die Aktionäre in Zukunft über die Managergehälter abstimmen. Dadurch vermeiden Unternehmen vorerst ein bindendes Gesetz

Paris - Die Drohung wirkte. Wenn die französischen Unternehmer keine Selbstkontrolle einführten, werde ein Gesetz erlassen, hatte die Pariser Regierung im Frühling erklärt. Premierminister Jean-Marc Ayrault wollte sich dabei ausdrücklich von der Schweizer Abzocker-Initiative "inspirieren" lassen, wie er sagte.

Der französische Unternehmerverband Medef präsentierte darauf einen Vorschlag, laut dem die Aktionärsversammlungen global über die Managergehälter befinden sollten. Wirtschaftsminister Pierre Moscovici ging aber nicht darauf ein. Darauf legte der Medef am Freitag einen neuen und umfassenden "Verhaltenskodex" für seine Mitglieder vor, der seit drei Jahren nicht mehr verändert worden war.

Am Sonntag billigte ihn der französische Präsident François Hollande bei einem Fernsehauftritt, womit die Frage eines Gesetzes vorerst vom Tisch ist.

Laut diesem Kodex, der für alle Mitglieder und damit die meisten französischen Unternehmen verbindlich ist, befinden die Aktionäre in Zukunft über jedes Gehalt der einzelnen Manager. Die Abstimmung ist zwar nur konsultativ und damit rechtlich undurchsetzbar. Der Verwaltungsrat muss aber im Fall der Zurückweisung eines Salärs "umgehend" ein Communique über seine beabsichtigte Reaktion veröffentlichen; hält er an der ursprünglichen Gehaltshöhe fest, muss er dies im Jahresbericht des Unternehmens speziell begründen. Im Wirtschaftsministerium rechnet man offenbar nicht damit, dass dies überhaupt je vorkomme; ein negativer Abstimmungsausgang sei damit "faktisch durchaus verbindlich", erklärte ein Mitarbeiter Moscovicis. Gemäß dem Vorsteher der französischen Privatfirmen (Afep), Pierre Pringuet, erhält Frankreich damit "einen der striktesten Verhaltenskodizes der OECD-Länder". Die aktuelle Medef-Präsidentin Laurence Parisot hatte versprochen, nach der Volksabstimmung in der Schweiz auch in Frankreich eine ähnliche Regelung einzuführen, bevor sie Ende Juni abtritt.

Nicht nur lobende Worte

Auf dem linken Flügel der regierenden Sozialistischen Partei setzt es aber auch Kritik ab: Die Selbstbeschränkung des Prinzips "Say on pay" (Lohnmitsprache) habe noch nirgends zu einer Senkung der Managergehälter geführt. Der Pariser Werbekonzern Publicis hatte Ende Mai als erstes französisches Unternehmen die neuen Bestimmungen des Verhaltenskodexes vorweggenommen.

Letzterer wird auch insofern angepasst, als die Abgangsentschädigungen genauer geregelt werden. Unter anderem dürfen sie nicht mehr als 45 Prozent des Reallohns betragen. Auf diese Zahl einigte sich der Medef mit der Regierung nach harten Verhandlungen. Des weitern wird die Zahl von Verwaltungs- und Aufsichtsratsmandaten auf fünf beschränkt; Direktoren und Unternehmensvorsteher dürfen sogar nur noch in zwei anderen Firmen im In- oder Ausland Mandate ausüben. Ein "hohes Komitee der Unternehmensführung" soll die Einhaltung des Verhaltungskodexes überwachen. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 18.6.2013)

Frankreichs Präsident François Hollande zu Gast in der Sendung "Capital". In der TV-Sendung nahm Hollande den Kodex für Managergehälter an. Damit ist ein Gesetz vorerst vom Tisch.   Foto: Reuters

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