Sexuelle Belästigung: "Strafe immer noch nicht hoch genug"

18. Juni 2013, 14:54
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Junge Kellnerin bekommt 3.600 Euro Entschädigung und Lohnnachzahlung

Eine junge Frau aus Oberösterreich macht es vor: Sie lässt sich die sexuelle Belästigung, die ihr an ihrem neuen Arbeitsplatz widerfährt, nicht gefallen und bekommt rund 3.600 Euro Entschädigung und Lohnnachzahlung, berichtet die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich in einer Aussendung.

Drei Wochen war die junge Frau als Kellnerin in einem Wettbüro beschäftigt, an der Tagesordnung standen verbale und körperlich-sexuelle Angriffe, und wenn die Gäste "handgreiflich" wurden, schaute der Chef tatenlos zu, schildert die AK den Fall der jungen Arbeitnehmerin.

Ausgemacht war zudem ein 40-Stunden-Job für 1.200 Euro netto monatlich, angemeldet war die Frau aber nur für 30 Stunden. Als die Kellnerin nach drei Wochen erklärte, dass sie unter diesen Bedingungen nicht arbeiten wolle, kündigte sie der Chef fristwidrig und meldete sie einen Tag später bei der Gebietskrankenkasse ab.

Verletzung der Fürsorgepflicht

Neben schlüpfrigen Bemerkungen und "Po- und Busengrapschen" seitens der Gäste sowie eindeutigen Angeboten des Chefs schickte dieser der Frau auch ordinäre SMS, die sich schließlich als gute Beweismittel erwiesen. Da der Chef trotz mehrmaliger Bitten der Kellnerin nicht einschritt, wenn sie von Gästen belästigt wurde, verletzte er auch seine Fürsorgepflicht als Arbeitgeber.

Nach ihrer Kündigung wandte sich die junge Frau an die AK. Diese forderte den Mann auf, die offenen Ansprüche und einen angemessenen Schadenersatz zu bezahlen. Der Arbeitgeber erklärte sich schließlich in einem Vergleich zu einer Zahlung von 3.600 Euro Entschädigung und Lohnnachzahlung bereit.

"Der Mindestschadenersatzanspruch bei sexueller Belästigung wurde zwar schrittweise von 400 auf 720 und zuletzt auf 1.000 Euro angehoben. Dieser Fall zeigt aber wieder einmal, dass die Strafandrohung offenbar immer noch nicht hoch genug ist, um Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen", so AK-Präsident Johann Kalliauer. (red, derStandard.at, 18.6.2013)

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    "Po-Grapschen ist kein Kavaliersdelikt" - so lautete auch das Motto eines Flashmobs im Februar, organisiert von Schülern, Schülerinnen und Studierenden in Wien.

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