G-20: London ließ Gipfelteilnehmer bespitzeln

17. Juni 2013, 18:08
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NSA-Whistleblower Snowden bestätigte Spionageaktion bei G-20-Treffen 2009

London - Der überaus enge Datenaustausch mit den US-Geheimdiensten bringt nun Großbritannien in Bedrängnis. Streng geheimen Unterlagen der Abhörzentrale GCHQ zufolge wurden bei zwei G-20-Gipfeln auf der Insel 2009 systematisch Telefone und Computer von Spitzenpolitikern und Topdiplomaten angezapft.

Davon habe sich die Regierung des damaligen Labour-Premiers Gordon Brown Vorteile für die eigene Verhandlungsposition erhofft, heißt es im Guardian. Der Zeitung liegen die Papiere des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden vor. Die Enthüllung sei "schlimmer für Großbritannien" als alle Debatten um das geplante Referendum über den EU-Verbleib der Insel, glaubt der frühere Europastaatssekretär Denis Mac-Shane. Premier David Cameron lehnte am Rande des G-8-Gipfels jeden Kommentar ab: "Ich nehme zu Geheimdienstfragen grundsätzlich keine Stellung." Vor dem Gipfel hatte er in Bezug auf die Prism-Affäre gesagt, britische Dienste handelten "stets im Rahmen der Gesetze", so sie sich US-Informationen zunutze machten.

Auch Verbündete abgehört

Zu den Lauschopfern gehörten offenbar traditionelle Partner wie die Türkei und Südafrika ebenso wie der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew. 45 Analysten seien allein dafür abgestellt gewesen, die Mobiltelefone von Gipfelteilnehmern abzuhören. Um sich ein wenig Arbeit zu ersparen, verfielen die Geheimdienstler auf einen netten Trick: Sie lockten Delegationsteilnehmer in eigens eingerichtete Internetcafés, wo sämtliche Computer praktischerweise direkt mit GCHQ in Verbindung standen.

Die Teilnehmer der G-20-Gipfel waren gewarnt, schließlich hatten die angelsächsischen Geheimdienste auch früher schon gezielt Diplomaten abgehört. Im Vorfeld des Irakkriegs zapfte die NSA 2003 Büro- und Privatanschlüsse von Beamten jener Länder an, die im UN-Sicherheitsrat als unsichere Kantonisten galten. Dazu gehörten auch alte US-Verbündete wie Chile, Mexiko und Pakistan. Die frühere Entwicklungshilfeministerin Clare Short hat öffentlich eingeräumt, dass auch der damalige UN- Generalsekretär Kofi Annan im Zuge der Aktion abgehört worden sei. (sbo, DER STANDARD, 18.6.2013)

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