Brock aus

Glosse17. Juni 2013, 17:01
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Kleines Plädoyer für "Conversation"

Das Ende des Brockhaus-Lexikons ist betrüblich. Als Besitzer der schmucken Lederbände war man mit dem Öffnen eines der Buchdeckel sofort verzaubert. Wer sich zum Beispiel für das Gelege der Amsel interessierte, konnte sich mit ein paar wenigen Handgriffen nach Armenien vorarbeiten.

Natürlich haben der Vogel Amsel und das Land Armenien miteinander nicht viel mehr gemein als den Anfangsbuchstaben. (Die "Eier" in Armenien heißen Dram; für einen Dram erhält man aktuell 100 Luma.) Und natürlich findet man über beide, Amsel wie Armenien, auf Wikipedia sehr viel Wissenswertes. Allen bedingungslosen Vertretern von Netz und Fortschritt muss man dennoch entgegentreten. Vertreter des Fortschritts sind wir alle, die wir in Biomärkten Bionaden kaufen und auf (bald) grün unterlegten Radwegen über den Wiener Ring preschen.

Allen diesen Menschen muss man freundlich entgegnen: Im Netz wäre man niemals von "Amsel" auf "Armenien" gekommen. Nur wer das "Conversations-Lexicon" (1796) gegen die Absicht seiner Erzeuger zu benutzen versteht, wird auch fündig. Vielleicht ist daher folgender kleiner Hinweis nicht verkehrt: Man sucht nicht, man findet. Wichtige Einsichten werden einem zufällig zuteil. Wissen ist nicht Macht, sondern sein Erwerb ist die Lustbarkeit der Ohnmächtigen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 18.6.2013)

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