Die Nickhaut: Beim Menschen rudimentär

9. Juli 2013, 11:59
30 Postings

Vom Schutz des Auges zum evolutionären Überbleibsel: Das "dritte Augenlid" ist Tierbesitzern vertraut, beim Menschen ist es nur noch in Spuren vorhanden

Meistens ist sie nur für aufmerksame Hunde- oder Katzenbesitzer wahrnehmbar: die Nickhaut. Vor allem bei Fieber, Wurmbefall oder aus anderen pathologischen Gründen, schiebt sich das "dritte Augenlid" über einen Teil des Auges. 

Die Nickhaut, lateinisch "Membrana nicitans", ist eine zusätzliche Bindehautfalte im nasenseitigen Augenwinkel. Sie erscheint durchsichtig-milchig, klappt sich passiv, oder aktiv durch Muskulatur gesteuert, vor das Auge und  bewegt sich über dieses hinweg.

Rudimentäres Gebilde

Auch der Mensch verfügt über die Nickhaut; allerdings nur noch als kleinen Bindegewebsrest, der beim Blick in den Spiegel im nasenseitigen Augenwinkel zu erkennen ist. "Die Nickhaut ist beim Menschen und den meisten anderen Primaten ein rudimentäres Gebilde", weiß der Philosoph und Biologe Franz M. Wuketits. "Bei Vögeln und ans Wasser gebundenen Säugetieren dient sie als Schutzbrille vor der Hornhaut"; darüber hinaus, vergleichbar mit einem Scheibenwischer, der Entfernung von Fremdkörpern im Auge.

Vor allem Vögel, Reptilien und im Wasser lebende Tiere können das dritte Augenlid dank eingelagerter Muskelfasern im Flug oder während des Tauchens mittels komplizierten Muskelapparats aktiv horizontal über ihre Hornhaut ziehen. Unter den Säugetieren kommt das hingegen selten vor; eine Ausnahme ist die Katze. Bei Tieren, die über keine Nickhautmuskulatur verfügen, bewirkt ein Zurückziehen des Augapfels eine automatische Vorverlagerung der Nickhaut.

Verschiedene Drüsen

Die Nickhaut besteht aus einer Eigenschicht, in der der T-förmige sogenannte Blinzknorpel eingelagert ist. Diese Eigenschicht ist von einem mehrschichtigen Epithel (Deckgewebe und Drüsengewebe) mit Becherzellen überzogen. In die Schleimhaut der Nickhaut sind zahlreiche Lymphfollikel (kugelige Kolonien von B-Lymphozyten) eingelagert.

Je nach Tierart enthält das dritte Augenlid unterschiedliche Drüsen. So stellen etwa die oberflächliche und die tiefe Nickhautdrüse zusätzliche Tränendrüsen dar. Gemeinsam mit der eigentlichen Tränendrüse produzieren sie die mittlere Schicht des Tränenfilms.

Erkrankungen bei Tieren

Das starke Hervortreten der Nickhaut ist bei der Katze ein Anzeichen für Unwohlsein physischen oder psychischen Ursprungs. Ein einseitiger Nickhautvorfall kann auf eine Erkrankung des betroffenen Auges hinweisen, ein beidseitiger Vorfall ist meist ein Symptom einer Allgemeinerkrankung wie Fieber, Erbrechen, Durchfall, Wurmbefall Schmerzen oder Katzenschnupfen.

Die Nickhaut hat in der Tiermedizin auch einen therapeutischen Nutzen: Bei Hornhautverletzungen wird sie über den Augapfel gezogen und mit dem oberen Augenlid vernäht. So kann die Verletzung von der Nickhaut geschützt abheilen. (tin, derStandard.at, 9.7.2013)

  • Die Nickhaut ist beim Menschen nur noch als kleinen Bindegewebsrest im nasenseitigen Augenwinkel zu erkennen.

    Die Nickhaut ist beim Menschen nur noch als kleinen Bindegewebsrest im nasenseitigen Augenwinkel zu erkennen.

Share if you care.