Zweiter Anlauf für Guantánamo-Schließung

17. Juni 2013, 19:57
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Sonderbeauftragter Clifford Sloan übernimmt "schwierigsten Job in Washington"

Washington - Allein die Stellenbeschreibung lässt Insider vom "schwierigsten Job in Washington" sprechen. Clifford Sloan, der Sonderbeauftragte für die Schließung des Lagers Guantánamo, versucht sich an nicht weniger als an der Quadratur des Kreises.

Er soll Länder finden, die jene Häftlinge aufnehmen, die niemand vor Gericht stellen kann, zumal dann, wenn vermeintliche Geständnisse auf physischen oder psychischen Qualen beruhen. Es müssen Staaten sein, die politisch halbwegs stabil sind und in deren Gefängnissen nicht gefoltert wird.

Seit Montag leitet Sloan ein Büro des State Department, das erst im Jänner aufgelöst worden war. Vier Jahre lang hatte Daniel Fried, 2009 von Barack Obama zum Guantánamo-Emissär ernannt, vergebens nach Kompromissen gesucht. Nun folgt der zweite Anlauf. An den Start geht ein Mann, der sowohl zu Demokraten als auch zu Republikanern eine Antenne findet, was inzwischen eher die Ausnahme ist in den parteipolitischen Schluchten der amerikanischen Hauptstadt.

Unter Präsident Bill Clinton hat Sloan dem Weißen Haus als Rechtsberater gedient. Zuvor, in der Administration von George Bush Senior, war er Assistent des Generalstaatsanwalts Kenneth Starr, der später wegen der Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky ein Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton betrieb. In einem Copyright-Verfahren vertrat er den Rockstar Jon Bon Jovi, und eine Zeit lang gab er Slate heraus, ein linksliberales Onlinemagazin.

Was fehlt in Sloans Berufsbiografie, sind Erfahrungen auf dem Feld der Weltdiplomatie. Dafür kennt er die Gefahren, die im Minenfeld Washington lauern, in einer Stadt mit wahrhaft byzantinischen Grabenkämpfen, auch beim Thema Guantánamo. Seit 2009 hat der Kongress alles blockiert, was Obamas Riege vorschlug, allem voran eine Verlegung des Lagers an den Mississippi, und zuletzt schien es so, als habe auch die Regierung das Handtuch geworfen. Sloan verspricht frischen Wind, wenn auch keine Erfolgsgarantie. (fh/DER STANDARD, 18.6.2013)

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