Liebevolle Hommage an das Puppentheater

16. Juni 2013, 18:30
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Paulina Olowska mit der "Pavilionesque" in der Kunsthalle Basel

Das Begleitprogramm zur Art Basel, die am Sonntag schloss, war auch heuer wieder vielfältig. Das Angebot der Ausstellungshäuser aber enttäuschte etwas - aus österreichischer Sicht. Das Museum Tinguely z. B. präsentiert Zilvinas Kempinas. Der litauische, in New York lebende Künstler, der mit Magnetbändern und Ventilatoren verblüffende Raumeffekte zu erzielen vermag, schuf zwar einige neue Installationen, die Erinnerung an die atemberaubende Ausstellung 2008 in der Kunsthalle Wien ist jedoch noch frisch.

Die Foundation Beyeler zeigt gerade, bis 8. September, die umfängliche Max-Ernst-Retrospektive, die zuvor, von Jänner bis Mai, in der Albertina zu sehen war. Die gleichzeitig laufende Maurizio-Cattelan-Schau erfüllt die Erwartungen nicht: In der Ankündigung wurde das "facettenreiche Schaffen" des Italieners gerühmt. Zu bestaunen gibt es aber nicht einmal die am Plakat abgebildete, sehr witzige Installation, sondern nur ein ausgestopftes Pferd von 2007, dessen Kopf quasi in der Wand steckt: Der Rumpf und die Beine hängen in den Raum. Die Besonderheit ist, dass hier fünf braune Pferde nebeneinander hängen. Denn diese nicht betitelte Arbeit gibt es als Edition eben fünfmal.

Eine echte Entdeckung aber kann man in der Kunsthalle Basel machen: Den Oberlichtsaal und die angrenzenden Räume "bespielt" - geradezu im wortwörtlichen Sinn - die 1976 in Gdansk geborene Künstlerin Paulina Olowska. An ihrem derzeitigen polnischen Wohnort Raba Nizna kam sie mit dem Puppentheater Rabcio in Kontakt - und sie begann, sich mit dieser Theaterform, ihren wichtigsten Vertretern und Erneuerern, darunter Tadeusz Kantor, auseinanderzusetzen.

In Pavilionesque stellt sie die Ergebnisse ihrer umfangreichen Recherchen vor, darunter abgemalte Plakate, Standbildszenen, Porträts von Marionettenspielern mit ihren Puppen usw. Olowska geht es aber auch um traditionelles Handwerk und deren Weiterführung. Im Zentrum ihrer liebevoll zusammengestellten Ausstellung steht daher eine Art Kinderspielhaus auf einer umzäunten Plattform aus gebeiztem Holz. Dieser Pavillon ist eine raffinierte, funktionale Skulptur. Er dient als Präsentationsort, Bühnenbild für Aktionen - und er macht den Besucher, der die Treppe erklimmt, zum Protagonisten in Olawskas sentimentalem Theater. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 17.6.2013)

Bis 1.9.

  • Funktionale Skulptur: In "Pavilionesque" beschäftigt sich Paulina Olowska mit dem Puppentheater.
    foto: thomas trenkler

    Funktionale Skulptur: In "Pavilionesque" beschäftigt sich Paulina Olowska mit dem Puppentheater.

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