Vorarlberg: Wenn der Ärztemangel ins Auge geht

16. Juni 2013, 17:58
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Bis zu ein Jahr Wartezeit auf Grauer-Star-Operation in Vorarlberg - PR-Kampagne für Jungärzte

Bregenz - Der Ärztemangel in Vorarlberg macht sich besonders für Menschen mit Augenerkrankungen bemerkbar. Die Abteilung für Augenheilkunde am Landeskrankenhaus Feldkirch ist überlastet. Wer eine Augenoperation braucht, muss sich in Geduld üben. Im schlimmsten Fall ein Jahr lang. So lange wartet man auf eine Kataraktoperation (grauer Star), wenn die Dringlichkeit niedrig eingestuft wird.

FPÖ-Gesundheitssprecher Hubert Kinz stellte zur Situation eine Landtagsanfrage: "Denn jeder Patient, der in Vorarlberg an den Augen operiert werden muss, ist auf diese Station angewiesen." Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (VP) bestätigte in seiner Anfragebeantwortung die langen Wartezeiten. Grund sei die große Nachfrage. In den letzten fünf Jahren ließen sich doppelt so viele Patienten wegen grauen Stars operieren, insgesamt stieg die Zahl der operativen Eingriffe um 86 Prozent auf 5586 pro Jahr. Man habe zwar die Ärztestellen von neun auf zwölf erhöht, Personal sei aber nur schwer zu finden.

"Abteilung ist am Anschlag"

"Die Abteilung ist am Anschlag", sagt Chefarzt Wolfgang Elsässer. Von den zehn Ärzten der Station sind fünf Assistenzärzte, also noch in Ausbildung zum Facharzt. Sie dürfen laut Elsässer, "bis sie es können", nur unter Anleitung operieren. Bei geübten Assistenzärzten genüge die Anwesenheit eines Facharztes "im Haus". Der Chefarzt macht für die Überlastung nicht nur den Ärztemangel im Spital verantwortlich. Generell gäbe es zu wenige Augenfachärzte im Land. "Die Patienten landen dann bei uns in der Ambulanz." Dennoch möchte man nun die Wartelisten mit niedergelassenen Ärzten abbauen, "bestimmte Therapien an andere Krankenhäuser auslagern". Dafür müssen aber noch die technischen Rahmenbedingungen und OP-Plätze geschaffen werden.

Dem generellen Ärztemangel begegnet die Krankenhausbetriebsgesellschaft mit allen Mitteln der Werbung. Seit im Februar die PR-Kampagne gestartet wurde, habe man 16 Jungärzte gewonnen, sagt Elsässer. Man wirbt auf Fachmessen, mit Plakaten vor Unis, auf der eigenen Website.

Höchste Gehälter

Eines der wesentlichen Argumente für Vorarlberg ist das Geld. Elsässer: " Mit der Gehaltsreform bezahlen wir österreichweit für Turnusärzte das höchste Gehalt, können auch mit Süddeutschland mithalten, Überstunden und Nachtdienste vorausgesetzt, bekommt ein Turnusarzt im ersten Jahr brutto 68.000 Euro.

Ein weiteres Mittel zur Arztbeschaffung: Weil in Feldkirch nur 26 der 52 Turnusärztestellen besetzt sind, reduzierte man die Turnusstellen auf 31 und machte den Rest zu Assistenzärztestellen. Der Vorteil für das Krankenhaus: Assistenzärzte dürfen mehr. Der Nachteil für die Gesellschaft: Machen weniger den Turnus, die Ausbildung zum Allgemeinmediziner, wird der Mangel in diesem Bereich noch größer. (jub, DER STANDARD, 17.6.2013)

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