Zeman seit 100 Tagen im Amt

14. Juni 2013, 18:29
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Tschechiens Präsident grenzt sich von Vorgänger Klaus ab

Prag - Der Sonntag ist der 100. Tag von Milos Zeman im Amt des tschechischen Präsidenten. Auch wenn sich an dem hemdsärmeligen Linkspolitiker die Geister scheiden, so ist eines unumstritten: Sein Versprechen, ein aktives Staatsoberhaupt zu sein, hat Zeman bisher eingelöst.

Kritiker werfen ihm vor, er wolle seine Macht ausweiten und ein System errichten, in dem der Präsident auch im Regierungsgeschäft die erste Geige spielt. Bis dahin wäre es ein weiter Weg, denn die Befugnisse des Staatsoberhaupts regelt die Verfassung.

Dass Zeman aber versucht, die Grenzen sogar zu dehnen, wird am Beispiel des Botschafterstreits klar, den er mit Außenminister Karl Schwarzenberg austrägt: Zeman hat mehrere seiner Vorschläge abgelehnt und stattdessen eigene Namen ins Spiel gebracht. So wünscht er sich die Ehefrau von Expräsident Václav Klaus als Botschafterin in Bratislava oder den kommunistischen EU-Abgeordneten und Exkosmonauten Vladimír Remek in Moskau. Bisher aber scheitert er damit an Schwarzenberg.

International fanden neue Töne in der EU-Politik Beachtung: Anfang April hisste Zeman gemeinsam mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf der Prager Burg die EU-Flagge und grenzte sich damit vom EU-kritischen Kurs seines Vorgängers Klaus ab.

Gute Nachbarn

Seine zweite Auslandsreise führte ihn nach Wien. Eine Geste guter Nachbarschaft. Der Besuch war jedoch teilweise überschattet von Zemans Aussagen zu den Sudetendeutschen: Deren Abschiebung nach dem Zweiten Weltkrieg sei eine mildere Strafe gewesen als der Tod.

Legendär ist Zemans Vorliebe für mährischen Wein und Sliwowitz. Die Eröffnung der Ausstellung der Kronjuwelen auf der Prager Burg absolvierte der Präsident schwankend - die Videos im Internet erfreuen sich großer Beliebtheit. Derzeit muss Zeman jedoch einen klaren Kopf behalten. In der aktuellen Krise rund um die Razzien und Festnahmen im Umfeld der öffentlichen Verwaltung ist die stabilisierende Rolle des Staatsoberhaupts gefragt. (schub, DER STANDARD, 15.6.2013)

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    Milos Zeman will ein aktiver Präsident sein.

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