Haselsteiner nimmt Abschied von Russland-Phantasie

14. Juni 2013, 15:39
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Die Story für den Börsengang der Strabag 2007, wonach Russland zu einem dritten großen Standbein des Konzerns werden sollte, hat sich im Zuge der Krise in Luft aufgelöst. "Meine persönliche Einschätzung, was den russischen Markt betrifft, wurde extrem enttäuscht", sagte der scheidende CEO Hans Peter Haselsteiner Freitag auf der Hauptversammlung. Im Euphoriejahr 2007 habe er geträumt, dass Russland Deutschland als wichtigsten Auslandsmarkt überholen könnte. "An die Umsetzung glaube ich nicht mehr", gab der nunmehrige Generalbevollmächtigte des Strabag-Vorstandes unumwunden zu. Ursprünglich wollte er Russland bis 2014 zum dritten Kernmarkt - neben Deutschland und Österreich - machen.

Unbestritten bleibe, dass Russland als großes europäisches Land einen Baumarkt habe, an dessen Dimension nichts herankomme, sagte Haselsteiner und verwies auf die notwendigen Baumaßnahmen der nächsten Jahre. Unbestritten bleibe auch, dass das Land die finanzielle Kraft hätte, diesen Baubedarf zu bezahlen.

De facto arbeitet die Strabag aber noch an einem "lebenden und starken Russland-Geschäft". 2012 habe die Bauleistung in Russland 572 Mio. Euro erreicht - bei einer gesamten Bauleistung der Strabag von 14 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand per Ende Dezember 2012 belief sich auf 635 Mio. Euro.

Goldmedaille für Ankündigungen

"Gäbe es eine Olympiade der Ankündigungen, dann hätte die Strabag sicher die Goldmedaille", kritisierte ein Aktionär aus dem Publikum in einem Seitenhieb auf die letztlich deutlich geschrumpften Bauaufträge für das Olympische Dorf in Sotschi am Schwarzen Meer des Bauriesen. Die Aufträge für die Olympischen Winterspiele 2014 sollten den früher kommunizierten Erwartungen zufolge 1 Mrd. Euro erreichen.

"Ich glaube an Russland und an die Chancen der Bauindustrie in Russland", hatte Haselsteiner noch vor gut einem Jahr, am 27. April 2012, bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2011 erklärt. Strabag-Kernaktionär Oleg Deripaska hat noch bis zum Sommer 2014 die Option, sein Aktienpaket wieder auf 25 Prozent aufzustocken. Die Olympia-Aufträge für die Winterspiele 2014 in Russland verdankt die Strabag dem russischen Oligarchen, der dort Grundbesitzer war. Ansonsten kamen dort früheren Angaben zufolge fast ausschließlich russische Baukonzerne zum Zug. (APA, 14.6.2013)

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