Mehr Projekte im virtuellen Raum fordern Führungskräfte

17. Juni 2013, 11:42
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Kommunizieren, verstehen, vertrauen, arbeiten: In virtuellen Teams ist alles schwieriger. Auf welche Kompetenzen es in deren Führung ankommt, zeigt eine Studie der Hay Group Unternehmensberatung

Wieder eine Sache, die um einiges einfacher klingt, als sie eigentlich ist: in einem virtuellen Team zu arbeiten, mehr noch: eines zu führen. Ist es schon schwierig genug, in einer zunehmend projektorientierten Arbeitswelt Teams den Rollen, Temperamenten und Aufgaben entsprechend an einem Ort zusammenzustellen, kommen im virtuellen Rahmen neben fachlicher Expertise unterschiedliche Zeitzonen und Sprachen "erschwerend" hinzu.

Das bestätigt auch die kürzlich erschienene Umfrage der Unternehmensberatung Hay Group "Führung virtueller Teams. Die Führungskraft der Zukunft", für die rund 290 Mitarbeiter global operierender Unternehmen zum Thema befragt wurden.

Die kommunikative Stärke und soziale Kompetenz der Teamleitung im virtuellen Raum ist, so das wenig überraschend zentrale Ergebnis der Studie, Dreh- und Angelpunkt für das Gelingen von Projekten. Gelte es einerseits, sprachliche Barrieren zu überwinden und Übersetzer zu sein - bekanntlich wird Englisch nicht immer und überall gleich angewandt und insbesondere verstanden -, müsse andererseits auch das Vertrauen zwischen den Teammitgliedern aufgebaut und kontinuierlich gefördert werden, heißt es weiter.

Rollen präzise festlegen

Um dem Phänomen, dass das, was der eine sagt, nicht das ist, was der andere versteht, etwas vorzubeugen, seien persönliche Treffen unabdingbar - "nur so merken die Mitarbeiter, welche Stärken und Schwächen die Kollegen haben und wie sie am effektivsten miteinander arbeiten können", sagt Jörg Rumpf von der Hay Group. Daneben müsse der Teamleiter Rollen wie Aufgaben sehr genau festlegen und darauf achten, dass diese auch eingehalten werden, so Rumpf weiter. Eine Qualität der Führung, auf die die Teammitglieder großen Wert legen.

Neben kommunikativen und sozialen Kompetenzen ist die Qualität des Wissenstransfers erfolgsentscheidend - besonders in virtuellen Teams sei es wichtig, dass alle Mitglieder auf demselben Wissenstand sind und auf dieselben Informationen zugreifen können.

Mit der Akzeptanz von virtuellen Teams und deren Leistung scheint es aber in manchen Unternehmen nicht weit her zu sein - die Befragten wünschen sich mehr davon: von Unternehmenslenkern, Führungskräften, sogar von Kollegen. Nur 34 Prozent der Befragten sind damit zufrieden, wie in ihrem Unternehmen mit virtuellen Teams umgegangen wird. Da gilt es einiges nachzuholen. Rumpf: "Nur wenn alle Beteiligten virtuelle Teams als eine etablierte Alternative zu traditionellen Teams akzeptieren, kann diese Arbeitsform zur Wertschöpfung des Unternehmens beitragen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 15./16.6.2013)

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