Investment-Club "6B47" baut nun auch gefördert

14. Juni 2013, 12:52
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Aus ehemaligem Grazer Studentenheim "Hafnerriegel" werden 81 geförderte Wohnungen - Geförderter Wohnbau wird aber "kein strategisches Geschäftsfeld" werden, so CEO Ulm

Zwölf Prozent Rendite vor Steuer und ein Veranlagungshorizont von maximal 48 Monaten: Mit diesen Eckdaten hat es der Immobilien-Developer "6B47" unter Führung von CEO Peter Ulm geschafft, bisher rund 500 Millionen Euro an Kapital aufzustellen. Geldgeber sind meist gut betuchte Privatpersonen, die ab einem Mindestbetrag von 250.000 Euro mitmachen dürfen.

Freifinanzierte Wohnungen und Büros

Masterminds sind neben Ulm der ehemalige ÖBB-Chef Martin Huber und der Bauexperte Erwin Krause. Die beiden Letztgenannten sind auch größte Anteilseigner mit jeweils 30 Prozent, gefolgt von Ulm mit einem Zehntel des Stammkapitals und weiteren sechs Gesellschaftern. Der rund um diese Gruppe formierte Investment-Club zählt aktuell rund 170 Mitglieder, die im Schnitt mit 400.000 Euro investiert sind.

Investiert wurde bisher in freifinanzierte Wohnimmobilien, aber auch Büros. Schwerpunktmäßig ist man abgesehen von drei Fachmarktzentren-Projekten in Polen fast ausschließlich in den "sicheren" Märkten Österreich und Deutschland aktiv. Im Nachbarland hat die Gruppe voriges Jahr zwei Objekte veräußert - 175 Wohnungen in München und 60 Düsseldorf -, ein drittes in Wien. In Deutschland hat die Gruppe derzeit 500 Wohnungen in Bau, unter anderem in Frankfurt, München, Düsseldorf und Stuttgart. 300 weitere sind in Vorbereitung, die (Kalt-)Mieten bewegen sich meist bei zehn Euro je Quadratmeter.

Geförderter Wohnbau in Graz

Anders als im Nachbarland stehen in Wien nach wie vor Eigentumswohnungen im Fokus. Das nächste größere Projekt ist der freifinanzierte Leopoldtower an der U1 in Wien-Donaustadt: Bis 2015 soll der Turm mit 27 Etagen fertig sein, in den obersten 9 Stockwerken errichtet 6B47 "hochwertige Sky View Appartments" mit Balkonen und Loggien; Projektpartner ist das Österreichische Siedlungswerk (ÖSW).

Nun nimmt die Gruppe aber auch ein erstes gefördertes Wohnprojekt in Angriff: Im  20-stöckigen Wohnturm "Alphatower" im Grazer Stadtteil Jakomini sollen 81 vom Land Steiermark geförderte Wohnungen entstehen, die monatliche Nettomiete soll damit bei nur fünf Euro pro Quadratmeter liegen. Bei dem Projekt handelt es sich um die Sanierung und Erweiterung des ehemaligen Studentenwohnheimes "Hafnerriegel".

"Langfristig investieren"

Die Frage, warum nun ausgerechnet auch gefördert gebaut wird, beantwortet der gebürtige Grazer Ulm damit, dass diese Liegenschaft eine sehr gute Lage besitze, die Wohnbebauung aber schlicht ohne Förderung nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Im Übrigen gehe es "weniger darum, Geld zu verdienen, sondern darum, Geld langfristig zu investieren", so Ulm im Gespräch mit derStandard.at. Und: "Wir haben nicht die Absicht, das sofort wieder zu verkaufen." Man setzt vielmehr auf eine "jährliche Wertsteigerung. Im Vordergrund steht, das Ding zu realisieren, den Förderbestimmungen gemäß zu entwickeln. Alles andere ist nebensächlich", so Ulm.

Weitere geförderte Projekte sind für ihn denkbar, auch wenn der geförderte Wohnbau eine gewisse "Abkehr von unserer Kernstrategie" bedeute und auch weiterhin "kein strategisches Geschäftsfeld" der 6B47-Gruppe sein werde.

In Wien kein Thema

Neben Graz investiert Ulm die ihm anvertrauten Anlegergelder in Österreich nur noch in Wien, wo die Gruppe auch ihren Hauptsitz hat. In der Bundeshauptstadt ist der geförderte Wohnbau – wenn auch grundsätzlich für Gewerbliche auch hier möglich – für ihn kein Thema. In Wien setzt man auf "wirtschaftlichen Wohnbau" für die Mittel- bis Oberschicht. Gute und effiziente Planung sei dabei entscheidend, so Ulm: "Die Frage ist, wie man in einer 65-m²-Wohnung dieselben Funktionen unterbringen kann wie auf 70 Quadratmetern. Denn im Endeffekt ist entscheidend, wie viel die Wohnung absolut kostet, nicht der Quadratmeterpreis."

In der Haussteinstraße in Wien-Leopoldstadt baut man gerade ein leerstehendes Büroobjekt in "54 easy apartments" um (so der Projektname). Die Kaufpreise beginnen hier bei 3.500 Euro pro Quadratmeter, "da denken wir schon viel nach, wie wir's schaffen, bestmöglich wirtschaftlichen Wohnbau zu machen". Eine möglichst rasche Entwicklung sei ebenso entscheidend, denn punkto Finanzierung sei "jeder Tag, den wir früher zu bauen beginnen können, bares Geld. Geld, das wir weitergeben können."

"Entscheidung vor der Tat"

Der Name 6B47 ("six before seven") bedeutet für Zahlensymboliker übrigens "Die Entscheidung kommt vor der Tat." Im Aufsichtsrat der Gruppe sitzt seit der letzten Hauptversammlung im April die Ex-Bankerin und jetzige WU-Vizerektorin Regina Prehofer. Ulm will den Club nun auch stärker in Richtung Deutschland öffnen, speziell aus Bayern gebe es Interessenten. (Martin Putschögl, derStandard.at, 14.6.2013)

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