Vorwürfe gegen Staatsanwalt im Zusammenhang mit Tod Kazemis bestätigt

4. August 2003, 13:39
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Beamter des iranischen Kultusministeriums verfasste falsche Erklärung über Todesursache

Die Vorwürfe gegen den iranischen Staatsanwalt Said Mortasawi im Zusammenhang mit dem Tod der Journalistin Zarah Kazemi haben am Donnerstag neue Nahrung erhalten. Ein hoher Beamter des Kultusministeriums bestätigte, dass er eine nachweislich falsche Erklärung über die Todesursache auf Druck Mortasawis herausgegeben habe. Mortasawi habe ihm diktiert, dass die Journalistin an einem Schlaganfall gestorben sei, teilte der Leiter der Abteilung für Ausländische Medien, Mohammad Hussein Choschwakt, mit.

Choschwakt äußerte sich in einem Brief an Parlamentspräsident Mahdi Karrubi, der am Donnerstag in der reformorientierten Zeitung "Jas-e-Nu" abgedruckt wurde. Der Text bestätigt den weit verbreiteten Verdacht, dass Staatsanwalt Mortasawi die Wahrheit über den Tod der in einem Teheraner Gefängnis inhaftierten Kazemi vertuschen wollte. Die Fotografin starb an einem Schädelbruch infolge eines tätlichen Angriffs, wie eine Regierungskommission inzwischen ermittelte.

Reformer machen Mortasawi für ihren Tod mitverantwortlich. Ihm unterstanden die Beamten, die die am Kopf verletzte Journalistin 77 Stunden lang verhörten, ehe sie ins Krankenhaus gebracht wurde, wo sie am 10. Juli starb. Wer ihr die tödlichen Schläge zufügte, ist bisher nicht bekannt. Mit den Ermittlungen dazu wurde ausgerechnet Mortasawi beauftragt.

Choschwakt schrieb in seinem Brief, der Staatsanwalt habe Kazemi als Spionin bezeichnet und ihm mit Strafverfolgung gedroht, weil er der Fotografin eine Akkreditierung erteilt hatte. Deshalb habe er sich gezwungen gesehen, die von Mortasawi vorbereitete Erklärung herauszugeben. Er habe das Büro des Staatsanwalts erst verlassen dürfen, als die amtliche Nachrichtenagentur IRNA die Meldung über den angeblichen Schlaganfall veröffentlichte, schrieb Choschwakt. (APA/AP)

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