Stadlau: Zügiger Verkehr im zweiten Stock

18. Februar 2005, 14:38
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Viele Jungfamilien wählen den grünen Bezirk als Wohnort, aber es fehlt wichtige Infrastruktur

Wien - "Was Wunderbares" sei die U-Bahn, wenn sie erst einmal bis in die Donaustadt fahre. SP-Bezirksvorsteher Franz-Karl Effenberg bekommt einen schwärmerischen Ton, wenn er von der künftigen Anbindung seines Bezirks an die Innenstadt spricht. Es hätten sich so viele Menschen in den vergangenen Jahren in der Donaustadt angesiedelt. 155.000 Einwohner zähle man schon.

Geburtenstark

"Tendenz steigend, weil wir sind am geburtenstärksten" von allen Wiener Bezirken, meint Effenberg. Tatsächlich nennt das Statistische Jahrbuch der Stadt Wien 20.000 Menschen weniger, die per 2000/01 ihren Hauptwohnsitz in der Donaustadt hatten.

So groß die Freude über steten Zuzug und Nachwuchs im Bezirk ist, so deutlich werden die Probleme, die mit dieser Entwicklung einhergehen. Nicht nur dass die Leute aus ihrem Wohnbezirk zur Arbeit teilweise auspendeln müssen, es fehlt auch an sozialer Infrastruktur. Tagesplätze für Kinder und Plätzen in den AHS fehlen. Die Donaustadt gehört zu den Bezirken, in denen die meisten Kinder in Tagesheimen eingeschrieben sind (4322 Kinder per 2000/01, nur in Floridsdorf, ebenfalls ein zuwachsstarker Bezirk, gibt es noch mehr: 4781).

DER STANDARD berichtete über Schüler mit guten Noten, die dennoch an Bezirksgymnasien abgewiesen und in andere Bezirke geschickt werden mussten. Effenberg sagt, er arbeite an der Lösung der Probleme. Wie, sagt er noch nicht. Da "aber großer Druck auf dem Bezirk lastet", müsse etwas geschehen.

13.000 täglich

Das Problem der Donaustadt, dass der Weg von dort in die Innenstadt per Auto oder Öffis mitunter lang dauert, soll mit dem Bau der U2 behoben werden. Dafür wird eines der früheren Dörfer, aus denen der heute weitflächige Bezirk Donaustadt entstanden ist, zu einem zentralen Umsteigeknoten für Öffi-Benützer. In der "Stadlau", so heißt auch die künftige Station, an der Schätzungen zufolge künftig 13.000 Menschen werktags ein- und aussteigen werden, werde der Verkehr auf drei Ebenen fließen, erklärt Kurt Höfling, Bauleiter bei den Wiener Linien.

Zu ebener Erd' wird weiterhin der Autoverkehr rund um den Bahnhof Stadlau fließen, ein Stock höher wird die S 80 Passagiere aufnehmen, und, sozusagen im zweiten Stock, geht es am zügigsten voran. Dort wird in 16 Meter Höhe dann die U-Bahn daherrauschen.

"Technisch ist das relativ schwierig zu errichten", weiß Höfling. Nicht nur wegen der Stockkonstruktion, sondern auch wegen der Lage der Station "Stadlau". Sie wird entlang des Verteilerkreises der Tangente errichtet. Die Schienenführung führt dann über die Tangente stadtauswärts.

Tangente nicht beeinträchtigt

Die Schwierigkeit besteht darin, dass bis zum Fertigwerden der U-Bahn bis 2009 der Verkehr auf der Tangente nicht beeinträchtigt werden darf. Deshalb "wird ein ,freier Vorbau' errichtet", schildert Höfling, "die Stahlbrücke wird von links und rechts aus gefertigt", die Teilstücke würden schrittweise über die Tangente geschoben und letztlich in der Mitte zusammengeführt und verankert, so die vereinfachte Darstellung des komplizierten Bauwerks. Der Stadlauer Streckenabschnitt wird voraussichtlich 13,8 Millionen Euro kosten.

Nach dem Höhenflug der U2 in Stadlau wird sie bei der Station "Hardegggasse" nur noch in sechs Meter Höhe unterwegs sein. Der U2 steht dort noch eine Schule im Weg. Die Volksschule wird abgerissen und auf demselben Grundstück, ein wenig versetzt, wiedererrichtet. Damit der Zug in voller Fahrt Richtung Aspern weiterrauschen kann. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 24.7.2003)

Die Stadlau im Bezirk Donaustadt wird mit dem Bau der U2 zum zentralen Ort, an dem der Verkehr auf drei Ebenen fließen wird. Die Standard-Serie zum U-Bahn-Bau verdeutlicht: Viele Jungfamilien wählen den grünen Bezirk als Wohnort, es fehlt aber wichtige Infrastruktur.
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