Das Bolschoi-Theater kommt nicht zur Ruhe

13. Juni 2013, 19:42
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Millionenbetrug bei Bauarbeiten aufgedeckt - Starsolist Ziskaridse nach 20 Jahren gefeuert

Moskau - Einem Millionenbetrug bei Arbeiten am weltberühmten Moskauer Bolschoi Theater sind russische Ermittler auf die Schliche gekommen. Bei der Generalüberholung von Stromleitungen vor acht Jahren hätten zwei Firmen 90 Millionen Rubel (etwa 2,25 Millionen Euro) aus dem Staatsbudget unterschlagen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag der Agentur Interfax. Die Behörden leiteten ein Strafverfahren ein. Eine staatliche Baufirma habe 2005 ein privates Unternehmen für Arbeiten bezahlt, die nie erledigt worden seien. Das Theateri war von 2005 bis 2011 für schätzungsweise eine Milliarde Euro komplett renoviert worden, das Geld dafür stammte aus einem Kulturprogramm der Regierung.

Kritiker an Art der Renovierungsarbeiten gefeuert

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Startänzer und Ballettpädagoge Nikolai Ziskaridse (39) nach jahrelangen Querelen  keinen neuen Vertrag am Bolschoi mehr erhalten wird. Der oft in Bösewicht-Rollen besetzte Ziskaridse hatte der Bolschoi-Führung Unregelmäßigkeiten und Baufehler bei der Renovierung des Theaters sowie Druck auf die Künstler vorgeworfen. Im Gegenzug war er zweimal abgemahnt und immer seltener eingesetzt worden.

Ziskaridse, am Boschoi seit 1992, wird seinen letzten Arbeitstag am  30. Juni haben, kündigte Bolschoi-Sprecherin Katerina Nowikowa an. Der Arbeitgeber sei nicht verpflichtet, Gründe für die Entscheidung zu nennen. Der Künstler betonte, er habe nicht um Entlassung gebeten.  Der Solist gilt auch als scharfer Gegner von Ballettchef Sergej Filin, dessen Augen bei einem Säureattentat Mitte Jänner verätzt worden sind und der seit Monaten in Aachen behandelt wird. Nach dem Angriff auf Filin hatte die Theaterleitung ihm offen vorgeworfen, in das Attentat verstrickt zu sein.

"Es ist selbstverständlich, dass das Theater jemanden loswerden will, der seit mehr als zehn Jahren erzählt, dass es schlecht sei und und schwach geführt werde", sagte die Ballettkritikerin Tatjana Kusnezowa.  (APA, 13.6.2013)

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