Seit Heintje in den Charts

Kolumne18. Juni 2013, 17:03
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Die deutsche Rosenzüchtung Westerland ist seit über 40 Jahren ein Hit. Zu Recht, denn wer sie nur ein bisserl aufpapperlt und ihr beim Ranken hilft, wird mit üppigen Duft- und Farberuptionen belohnt, weiß Gregor Fauma.

Da waren einmal zwei Rosen. Die eine, gelb und lachsfarben, hieß Circus. Die andere war von goldgelber Erscheinung und hörte auf den Namen Friedrich Wörlein. Beide gehörten zum Stamm der Floribunda-Beetrosen. Beetrosen, wie man sie sich nur wünschen kann: kräftig von Wuchs, buschig in der Form, mittelhoch und mit schönen, becherförmigen Blüten.

Es muss das Jahr 1969 gewesen sein, Heintje hatte gerade seinen Hit Heidschi Bumbeidschi fünf Wochen als Nummer eins in den Charts, als der deutschlandweit bekannte Verkuppler Wilhelm Kordes die beiden Rosen vermählte und vereinte. Den daraus resultierenden Bastard nannte er liebevoll Westerland, träumte ihm doch stets, seinen Lebensabend dort auf Sylt zu verbringen.

Dieses Kind war von solcher Anmut, dass es schon früh bemerkt wurde. Bereits im zarten Alter von nur fünf Jahren - es war 1974, und Vicky Leandros besang Theo, er möge doch mit ihr nach Lodz fahren - erhielt die Westerland das ADR-Prädikat. Da geht nichts drüber. Dieses Prädikat, es steht für Anerkannte Deutsche Rose, bekommen nur die robustesten und gesündesten Rosen nach einer Reihe unterschiedlicher Tests verliehen.

Glücklich wie in der Konditorei

Die Blüten der Westerland sind von einzigartigem Farbspiel. Im Kern der Blüte schimmert sie gülden, um von dort gleich einem Vulkanausbruch in die Farben Lachs, Orange und Rot zu changieren. Selbst im Verblühen beglückt die Westerland, sie zeigt dann ein Rosa, von dem selbst Konditoreibesucherinnen mit Punschkrapferl-Erfahrung nur träumen können. Dieses Farbspiel vermag die Westerland vorzuführen, da ihre Blüten locker gefüllt sind und in Büscheln dicht an dicht aufgehen.

Doch im Unterschied zu vielen anderen Floribundahybriden wirken ihre Blütenblätter nicht steif und streng, sondern sind verspielt wellig und bringen damit eine vibrante Leichtigkeit in ihre Gesamterscheinung. Müsste das nicht genügen, um dafür RONDO-Rose des Jahres zu sein? Nein, die Westerland legt noch ein, zwei Schäuferln nach.

Damit ihr Farbspiel besonders gut zur Geltung kommt, setzt die Westerland auf eher dunkles Laub. Ledrig glänzen die stets gesunden Blätter und bieten den leuchtenden Blütenblättern genau jenes Bühnenbild, das sie zu ihrer Inszenierung brauchen.

Das Aroma des Hochsommers

Geht noch was? Ja, denn die Westerland blüht bereits zeitig im Juni, um sich in der Folge als dicht blühender Rosenstrauch von gut mehreren Metern Höhe bis in die ersten frostigen Nächte hinein in Szene zu setzen. Und während andere Rosen oft als Preis ihrer Schönheit den Duft verlieren, verströmt die Westerland speziell in den Stunden der Dämmerung ihr Aroma des Hochsommers. Unmöglich, daran vorbeizugehen: Passanten stecken gierig ihre Rüssel in die Blütenbecher, um diese Note förmlich zu trinken. Man spricht hier auch von einem Duftbrunnen, speziell wenn die Geschöpfe am Zaun angebracht werden.

Die Westerland liebt hohe Zäune oder Pergolen. Anfangs straff aufrecht wachsend, hängen die blütenschweren Triebe in der Folge über den Zaun und geben selbst den kleinsten Schrebergärten auf der Wiener Schmelz die Anmutung eines sissinghursty Schlossgartens. Oh dear!

Kompartible Beetpartnerinnen

Das außergewöhnliche Farbspiel der Westerland ist allerdings nicht leicht zu kombinieren. Fauma & Fauma empfahlen bereits in ihrer Rosendepesche von 1981 - der Sommerhit war damals Fendrichs Strada del Sole - den Einsatz von Santolina chamaecyparissus oder Phlomis russeliana als gelbe Begleiter, während unter den silberblättrigen Beetpartnerinnen diverse Artemisiae infrage kommen, aber natürlich auch Blauschwingel und Wollziest.

Für ein wenig Extravaganza sorgen blaue Zuarbeiter wie Ehrenpreis, Katzenminze, Lavendel, Rittersporn und selbstverständlich auch die wunderbaren Kugeldisteln. Zusammenfassend kann man sagen: Wer nie eine Westerland pflegte, hat nie gegärtnert. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 14.5.2013)

Tipp zur Westerland-Rose:

Wer schnell wächst, braucht viel Futter! Eine Mischung aus Humus, Kompost, Sand und Gartenerde ist unerlässlich, will man seine Westerland gut ernähren. Wer ihr alle zwei bis drei Wochen ein wenig dieses Gemischs zu Füßen legt, sorgt für lange Pracht und Duft im Garten.

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    Damals, als Heintjes Hit "Heidschi Bumbeidschi" ein Chartknüller war, vermählte der Rosen-Verkuppler Wilhelm Kordes die "Circus" mit der "Friedrich Wörlein". Das Resultat dieser erfolgsträchtigen Kreuzung: Die außergewöhlnlich-anmutige und sagenumwobenen "Westerland".

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    Wer schnell wächst, braucht viel Futter! Eine Mischung aus Humus, Kompost, Sand und Gartenerde ist unerlässlich, will man seine Westerland gut ernähren.

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